Wetterprognose vom Flaschengeist “musicBottles”

Wetterprognose vom Flaschengeist “musicBottles”

Professor Hiroshi Ishii vom MIT sucht nach neuen Wegen in der Kommunikation zwischen Mensch und Computer.

Frau Ishii mag Computer nicht und hat noch nie auf eine Maus geklickt. Frau Ishii interessiert sich aber brennend für den Wetterbericht. Am liebsten wüsste sie schon abends, wie denn das Wetter am nächsten Tag wird.
Weil Frau Ishiis Sohn Hiroshi Professor am Massachusetts Institute of Technology (MIT) ist, erfüllte er ihr diesen Wunsch. Er entwarf eine «Wettervorhersagen-Flasche» – die eigentlich eine versteckte Computer-Schnittstelle ist, seiner Mutter aber vorkam wie eine der ihr wohlvertrauten Sojasaucenflaschen. Beim Öffnen des Flaschendeckels zwitschern Vögel, wenn für den nächsten Tag schönes Wetter vorhergesagt ist. Wird es schlecht, so ertönt plätschernder Regen.

Seither lauscht Frau Ishii zufrieden ihrem klingenden Wetterbericht, während Sohn Hiroshi ein neues Projekt hat für seine Forschungsgruppe, die er am Bostoner MIT leitet. Schon lange störte sich Hiroshi Ishii, 45, daran, dass die Fenster in die digitale Welt auf flache, rechteckige Bildschirme beschränkt sind. 1995 gründete der Japaner deshalb «Tangible Bits» («Bits zum Anfassen»). Sein Ziel: die Schnittstelle Maschine-Mensch zu versinnlichen. Zu diesem Zweck sucht Professor Ishii «an der Küste zwischen dem Land der Atome und dem Meer der Bits» nach neuen Uferwegen – sprich Benutzeroberflächen, die andere Sinne als den Sehsinn ansprechen.

Aus dem Prototyp der «Wettervorhersagen-Flasche» entstanden die «musicBottles», ein gläsernes Orchester aus drei Flaschen auf einem Tisch, der von einem Magnetfeld umgeben ist. Öffnet man die Flaschendeckel, spielt je ein unterschiedliches Instrument, denn das Abheben der Deckel stört das Magnetfeld. Ein elektronischer Schaltkreis registriert diese Störung und löst die Musik aus.

«In diesen Flaschen trifft sich die digitale und die körperliche Welt», sagt Ishii. Gemeinsam mit sechs Mitarbeitern und zahlreichen Studenten tüftelt der Professor auch an Projekten wie dem mit digitalem Wasser bedeckten Tischtennistisch «Ping Pong Plus» oder dem «Clearboard», einem Videokonferenzsystem mit gemeinsamer Zeichenfläche. Die «Tangible Bits» waren an der Linzer Ars electronica im September erstmals auch in Europa zu sehen.
Mit seinem Versuch, fühlbare Brücken zwischen der körperlichen und der virtuellen Welt zu schlagen, ist Hiroshi Ishii nicht alleine.

Auch im «Mars»-Labor des deutschen Fraunhofer Instituts für Medien-Kommunikation in Sankt Augustin arbeiten Forscher, Techniker und Künstler an Ganzkörper-Benutzeroberflächen. «Ein Schwerpunkte ist das ‘Mixed Reality’-Projekt, bei dem wir nach Werkzeugen suchen, um das Internet im öffentlichen Raum zu nutzen», sagt «Mars»-Koleiterin Monika Fleischmann. Ausgestattet mit drei Gewichtssensoren, erlaubt zum Beispiel das Surfbrett «Virtual Balance» per Körperbalance gesteuerte Surftouren durch projiziierte 3-D-Welten.

Der Suche nach innovativen Benutzeroberflächen und Schnittstellen nimmt sich nun auch die EU an. Der zuständige EU-Kommissar Leon van Noorden möchte noch in diesem Jahr ein spezielles Förderprogramm starten. «All diese Projekte gehen auf Arbeiten von Künstlern zurück, die schon Ende der Achtzigerjahre im Bereich der Virtual Reality aktiv waren», sagt Fleischmann. Der Verdienst von Ishii sei es, diese Inhalte in die universitäre Lehre einzubringen.
Neben der Kunst und der Wissenschaft versucht sich auch die Computerindustrie seit längerem an neuen Kommunikationswegen zwischen Mensch und Maschine. Bei den Spracherkennungssystemen warten Benutzer allerdings noch auf den grossen Durchbruch – wenn sich das Gespräch mit dem Computer dereinst nicht mehr auf unerwiderte Beschimpfungen beschränkt.

Bei seiner Forschung bezieht sich Ishii gerne auf Computer-Experte Marc Weiser, der vor 15 Jahren den Begriff der «allgegenwärtigen unsichtbaren Computertechnologie» prägte. Weiser: «Die überzeugendsten Technologien sind jene, die sich derart mit unserem Alltagsleben vernetzen, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen.»

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