Thomas Borer und Shawne Fielding – Ringen mit Ringier

Thomas Borer und Shawne Fielding

Der Streit von Thomas Borer und Shawne Fielding mit den Schweizer Boulevard-Medien eskaliert.

Jetzt holen Botschafter Thomas Borer und seine Frau Shawne Fielding zum Gegenschlag gegen das Medienhaus Ringier aus. Das Glamour-Paar will mit «allen rechtlichen und medialen Mitteln» gegen falsche Darstellungen vorgehen. Die beiden fühlen sich nicht nur als Opfer einer Pressekampagne, sondern sorgen sich um das Image der Schweiz im Nachbarland. Borer ist überzeugt, dass die Negativ-Schlagzeilen der Boulevard-Zeitungen «Blick» und «SonntagsBlick» dem Ansehen der Schweiz in Deutschland schaden und seine Bemühungen um eine Image-Korrektur konterkarieren: «Die Berichterstattung verstärkt in Deutschland den Eindruck der kleinkarierten, spiessigen Schweizer, die an ihrem erfolgreichen Botschafter in Berlin herummäkeln.»

Am Anfang reagierte Borer auf die Angriffe der Ringier-Blätter mit Telefonaten und Briefen an die Chefredaktionen. Erfolglos, wie sich schnell zeigte. Danach hielt er sich an den Rat von Medienberatern: Er verweigerte den Boulevard-Blättern Interviews und schwieg zu den falschen oder tendenziösen Berichten.

Doch jetzt ist ein Strategiewechsel angesagt. Bestärkt durch seinen kometenhaften Aufstieg zum bekanntesten Diplomaten Deutschlands, dem die grossen deutschen Medien zu Füssen liegen, hat sich Thomas Borer für die Offensive entschieden. Die bisherige «Politik des Schweigens», begründet Borer seine neue Medienstrategie, habe dazu geführt, «dass sich die Ringier-Blätter alles erlaubten und meine Frau und ich zum Freiwild wurden».

Laut «Blick»-Chefredaktor Jürg Lehmann kann von einer Kampagne keine Rede sein: «Wenn Botschafter Borer an eine Verschwörungstheorie glaubt, leidet er unter Verfolgungswahn.»
Die Ringier-Presse macht das Botschafterpaar anscheinend zusehends mürbe.
Borer neigt derzeit mitunter zur Empfindlichkeit, etwa wenn er in einem langen Leserbrief Journalisten der «Basler Zeitung» «protestantisch-preussische Manier» vorwirft, weil sie seine 1.-August-Ansprache nicht goutierten.

Die jüngste Eskalation im Fall «Borer versus Ringier» haben Anfragen von «Blick»- und Sobli-Journalistinnen bei deutschen Kolleginnen ausgelöst. Sie wollten von ihnen wissen, was von Scheidungsgerüchten rund um das Diplomatenpaar zu halten sei. Laut Borer streuen die Ringier-Journalistinnen damit systematisch Gerüchte in Deutschland, die jeglicher Grundlage entbehrten. Laut «Blick»-Chef Lehmann gehören solche Anfragen jedoch zu den üblichen Recherchen seines Blatts. Mit systematischem Gerüchtestreuen habe dies nichts zu tun.

Botschafter Borer zeigt sich im Gespräch persönlich verletzt von solchen Übergriffen auf seine Privatsphäre. Im Einzelfall entwickeln sich dadurch exemplarische Medienmechanismen: Eine Schweizer Journalistin ruft ihre Kollegin von der «Welt» zum Thema borersche Scheidung an. Diese schreibt darüber, worauf «Blick» die «Welt» zitiert.

Der Botschafter schickt nun Gegendarstellungen, schreibt Leserbriefe und versucht, negative Auswirkungen der Ringier-Kampagne auf die deutschen Medien zu verhindern. Shawne Fielding schaltete den Hamburger Prominenten-Anwalt Matthias Prinz ein, der dem «Blick» Ende Juli vorsorglich untersagte, die Gattin des Botschafters als «Luder» oder als «Kultur-Industrie-Hure» zu qualifizieren. Die beiden Begriffe stammen aus dem Medien-Rummel um die «Cowgirl»-Fotostrecke in der deutschen Illustrierten «Max». Anfang Mai hatte die «Süddeutsche Zeitung» Shawne Fielding in einem ironischen Text bescheinigt, sie sei «auf dem Weg in die Luder-Liga», während sie die linke Taz in einer bösartigen Glosse in die Galerie der Berliner «Kultur-Industrie-Huren» einreihte. Der zweite Begriff sei «eindeutig eine Schmähung», schreibt die «Süddeutsche». Beim «Luder» sei die Rechtslage indessen schwieriger.

Borer selbst fiel aus allen Wolken, als er Ende Juni nach einem Vortrag in der Schweiz von einem «Blick»-Reporter gefragt wurde, was er zur angeblich am gleichen Tag bevorstehenden Pressekonferenz von Shawne Fielding meine, an der seine Gattin die Trennung verkünden wolle.
Als Beispiel, wie Falschmeldungen zu Stande kommen, führt Borer die folgende Episode an: Der «Blick» legte Borer am 2. August ein falsches Zitat in den Mund. Er habe an der 1.-August-Feier erklärt, vielleicht werde Berlin bald zu einem Kanton der Schweiz -und dann gewinne die Eidgenossenschaft endlich ihre erste Fussball-WM. Das Zitat stammte indes nicht von Borer, sondern von Marco Rima, dem Moderator des Abends. Diese Falschmeldung nahm Borer zum ersten Mal zum Anlass, «Blick» in einer offiziellen «Pressemitteilung» zu rügen: «Botschafter Borer distanziert sich vom falschen Zitat im ‘Blick’.» «Blick»-Chefredaktor Lehmann räumt ein, dass «etwas schief gelaufen ist». Soviel er wisse, hätten Rima und Borer auf der Bühne einen Dialog geführt, und daher habe die Korrespondentin die Aussagen verwechselt. Tatsächlich erhält die Aussage, Berlin gehöre dereinst zur Schweiz, einen unterschiedlichen politischen Stellenwert – je nachdem, ob sie von einem Spitzendiplomaten oder einem Komödianten stammt.

Borers «Strategiewechsel» ist Ausdruck der Ratlosigkeit des Botschafters im Umgang mit den Schweizer Boulevard-Medien. Sie haben seinen Ruhm trotz aller Negativ-Schlagzeilen ebenfalls gemehrt, doch die Kontrolle über das Geschehen scheint ihm entglitten zu sein. Da hilft es nichts, dass er Interview-Anfragen und Homestorys verweigerte – die Schweizer Boulevard-Medien unterlaufen den Boykott mit der Auswertung deutscher Zeitungen, mit denen Borer im Interesse der Schweizer Image-Pflege intensiv zusammenarbeitet.

Im Streit liegt Borer auch mit der «Schweizer Illustrierten». Diese setzte aus zwei Einzelgesprächen mit Fielding und Borer ein Doppelinterview zusammen. Das Ehepaar fühlt sich dadurch hintergangen und wandte sich an den Schweizer Presserat, wo der Fall hängig ist. Für Marc Walder, Chefredaktor der «Schweizer Illustrierten», ist der Fall klar: «Das Ehepaar Borer kann keinen einzigen Einwand gegen dieses Interview erheben; er hat es ja selbst korrigiert.» Zudem sei Borer eigens für das Titelbild Modell gestanden.

Als besonders verwerflich empfindet Borer das Insinuieren von Unwahrem. So habe ihm der «SonntagsBlick» unter dem Titel «’Party-Verbot’ für Shawne?» unterstellt, seiner Frau ein Ausgehverbot erteilt zu haben. «Das ist frei erfunden», sagt Borer. Gattin Fielding doppelt nach: «Es ist völlig vorbei, dass eine Frau ihre Eigenständigkeit und Karriere der beruflichen Stellung ihres Mannes opfern sollte.»

Ins Kapitel Unterstellungen gehört auch die Darstellung des «SonntagsBlicks», Borer habe als «Geheimdienstler» gearbeitet. Zwar wird dieser Behauptung vorsichtigerweise das Dementi gleich mitgeliefert. Aber für den Leser entsteht der Eindruck, Borer sei zu seinen Task-Force-Zeiten in New York geheimdienstlich aktiv gewesen. «SonntagsBlick»-Chef-redaktor Bernhard Weissberg will dazu keine Stellung nehmen.

Borers Liste der angeblichen oder tatsächlichen Entgleisungen der Ringier-Publikationen ist lang. So habe der Sobli unter dem Titel «Rent-a-Shawne» behauptet, Fieldings Agent hätte der «Bunten» ein Interview für 50’000 Dollar angeboten. Tatsächlich habe die «Bunte» ihrerseits ein Interview verlangt, das Honorar sei viel tiefer gewesen und an Unicef gegangen.
Die letzte Runde im Ringkampf Borer gegen Ringier ist noch lange nicht eingeläutet. Der Botschafter vermutet, hinter der negativen Berichterstattung stehe Frank A. Meyer, Intimus von Verlagschef Michael Ringier, die beide nicht erreichbar waren. Welches Motiv Meyer aber zum Ränkeschmieden verleiten soll, kann sich Borer nicht erklären.

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