Starbucks – Beim Amerikaner Schlange stehen

Starbucks

Der Markteintritt der US-Kaffeekette Starbucks bereitet der Konkurrenz in Zürich keine Sorgen. Weil sich die Kundschaft lieber bedienen lässt, statt an Pappbechern zu nippen.

Morgens lässt sie sich gern bedienen. Die Marketingleiterin einer Modekette sitzt im Café und liest Zeitung. Dann kommt der Cappuccino – mit dem Milchschaum auf den Lippen beginnt der Tag. Heute entschied sie sich für den Sitzplatz hinter der schaufenstergrossen Scheibe des Café «Confiserie Schurter» am Zürcher Central. Sie weiss, wie der Cappuccino hier schmeckt, sie kennt jeden Cappuccino im Umkreis ihres Arbeitsplatzes. Nur einen trinkt sie nie: den von Starbucks – echter amerikanischer Cappuccino am Zürcher Central – da winkt die trendbewusste Frau ab, «dort geh ich nicht hin. Bei den Amis gibts keine Bedienung, da muss ich für den Cappuccino Schlange stehen.»

Der Markteintritt der US-Kaffeehauskette Starbucks schreckte die hiesige Café-Branche auf. Der Lifestyle-Kaffee im Papp-becher galt als Gefahr für die traditionelle Tearoom-Kultur. Doch die düsteren Prognosen haben sich nicht bewahrheitet – umliegende Kaffeehäuser können weiterhin auf ihre Kunden zählen. Glaubt man den Amerikanern, sind jetzt «Frappuccino», «Caramel Macchiato», «Muffins» und «Scones» angesagt. Und dafür muss man sich bei Starbucks mit tout le monde in die Schlange stellen, um in Sekundenschnelle mit «to stay» oder «to go» über Tasse oder Pappbecher zu entscheiden.

Die US-Kaffeekette hat Grosses vor: Innerhalb weniger Jahre soll die Schweiz erobert werden – über die Zahl der geplanten Filialen wird geschwiegen.
Tatsächlich hat aber ausgerechnet Starbucks geschafft, was der hiesigen Branche bisher nicht gelungen ist: die jüngeren und trendigen Schweizer auf die braun geröstete Bohne zu bringen. Seit der Eröffnung im März sollen die Umsatzzahlen weit über Budget liegen, sagt Starbucks-Sprecherin Karin Vogt: «Weltweit ist Zürich der bisher erfolgreichste Markteintritt.»

Trotzdem: Die traditionellen Cafés leiden bisher nicht unter Starbucks. Im Gegenteil. Die Zürcher Lokale in unmittelbarer Nachbarschaft konnten zum Teil sogar zulegen. So verzeichnete das «Café Schurter», nur zwei Häuser neben Starbucks gelegen, seit der Eröffnung der US-Kette deutlich mehr Gäste, wie Besitzerin Rosmarie Michel erklärt: «Zu den Gästen gehören vermehrt solche, die Bedienung besonders schätzen. Zudem darf bei uns geraucht werden, was zwei Häuser weiter nicht erlaubt ist.»

Der Erfolg von Starbucks kann der grande dame der Zürcher Gastronomie egal sein. Für Michel kommts nicht darauf an, ob man den Kafi im «Schurter» oder den Coffee zwei Häuser weiter trinkt: Die Gastro-Managerin sitzt im Verwaltungsrat der Bon appétit Group von Beat Curti, die über ein Joint Venture mit der Starbucks Coffee Company massgeblich an der Kaffeekette beteiligt ist.
Auch bei anderen nahe gelegenen Cafés zeigt man sich unbeeindruckt von der amerikanischen Kaffeekultur. Bei den Filialen des Zürcher Traditionskaffeehauses Sprüngli hat man vom Markteintritt des Neulings bisher nichts gemerkt. Und Sprüngli muss sich auch in Zukunft keine Sorgen um seine Café crème und Espresso konsumierenden Kunden machen: Seine Zielgruppe sind ältere Leute. Die über 65-Jährigen sind jene Altersgruppe, die auswärts am meisten Kaffee, Tee und Milchgetränke konsumiert. Dies ergab eine Erhebung des Schweizer Cafetier-Verbandes.
Abgesehen davon, dass Starbucks und Sprüngli unterschiedliche Zielgruppen ansprechen, geht Gastro-Kennerin Rosmarie Michel davon aus, dass die Kette keine Gefahr für traditionelle Cafés ist. «Eine Kette kann einer traditionellen Marke nicht schaden, wenn sie gut eingeführt ist», sagt Michel. Doch bereits hat der Schweizer Cafetier-Verband die nächste Bedrohung ausgemacht: die Tendenz, den Kaffee im Büro zu trinken – das könnte den traditionellen Kaffeehäusern langfristig zusetzen.

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