Pendler lesen «20 Minuten»

20 minuten

«20 Minuten» hat in Zürich die Nase vorn: Sie ist die beliebteste Pendlerzeitung, wie eine Umfrage der Universität Zürich ergeben hat.

Die Goldmedaille geht im Grossraum Zürich an «20 Minuten», die silberne an den «Zürich Express» und die bronzene an «Metropol». Das ist das Ergebnis einer Befragung von Pendlern, die zwei Studentinnen und ein Student im Raum Zürich durchgeführt haben.

Im Rahmen einer Arbeit für das Institut für Publizistikwissenschaft und Medienforschung der Uni Zürich eruierten sie, dass 38 Prozent der Befragten die Pendlerzeitung «20 Minuten» am liebsten lesen, 25 Prozent den «Zürich Express» und 14 Prozent «Metropol». Ein Viertel der Befragten haben sich noch für keines der Blätter entschieden. Oder dann: «Es ist möglich, dass diese 24 Prozent entschiedene Gegnerinnen und Gegner von Gratiszeitungen sind und sich deshalb für keine bestimmte Zeitung entscheiden wollten», heisst es in der Untersuchung. Anscheinend polarisieren die kostenlosen Blätter auf dem Boulevard: «Auf der einen Seite die Leute, die davon angetan oder sogar sehr begeistert sind, auf der andern Seite diejenigen, die Gratiszeitungen missbilligen.»

Die Prozentzahlen sind bei 842 ausgewerteten Fragebogen allerdings mit Vorbehalt zur Kenntnis zu nehmen, weil vornehmlich jüngere und gut ausgebildete Leserinnen und Leser ihre Antworten einsandten. Dieser Rücklauf belegt allerdings, dass die Pendlerzeitungen beson-ders dieses Segment der Bevölkerung ansprechen.

Die jungen Forscher Andreas Bachmann, Chantal Brander und Sarah Lenz wollen zwar von keinem typischen Gratisleser-Profil reden. Doch demografische Unterschiede lassen sich tendenziell ausmachen: So lesen ältere Frauen eher den «Zürich Express»; sie fühlen sich noch dem früheren «Tagblatt» verbunden, aus dem der «Express» hervorgegangen ist. «Metropol» hat eine eher männlicher Leserschaft. Die Leserschaft von «20 Minuten» ist geschlechtsspezifisch ausgewogen.

Wer eine Kaufzeitung liest, nutzt sie wegen der Gratiszeitungen nicht weniger. Dies behaupten zumindest die Befragten, auch wenn die Auflagenverluste des «Tages-Anzeigers» etwas anderes aussagen; der Tagi verlor seit dem Aufkommen von «20 Minuten» und «Metropol» immerhin 12 Prozent. Gratiszeitungsleser nutzen einfach ihre Reisezeit mehr und erhöhen ihren Lesekonsum, statt aus dem Tramfenster zu gucken oder mit dem Sitznachbarn zu schäkern.
An Gratiszeitungen werden überraschenderweise ähnliche Ansprüche gestellt wie an die Kaufzeitungen. Sie werden nicht etwa einzig wegen ihres ausgebauten Konsumteils gelesen, sondern ebenso wegen Nachrichten aus dem Inland und der Region.

Schliesslich ergab die Umfrage ein existenzielles Dilemma der Gratiszeitungen: Die meisten Befragten lesen die Zeitungen unterwegs. Dies verdeutlicht, wie wichtig die Verteilung ist. Die Befragten äusserten sich allerdings zuweilen kritisch-negativ über aufdringliche Zeitungsverteiler – gerade von ihrem Einsatz hängt jedoch die Reichweite der Blätter ab. Und die Befragten ärgern sich immer wieder über die ungelöste Entsorgungsfrage. Die Tabloidblätter werden zwar gern konsumiert, aber als störend empfunden, wenn sie nach der Lektüre am Boden liegen.

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