Microsoft Schweiz – Spitzenklasse

Microsoft Schweiz - Spitzenklasse

Gleich zwei Schweizer Fernseh-Spots haben den Sprung in die Respekt heischende Top-Ten-Liste der US-Commercial-Spezialisten geschafft.

Feuchte Männerfinger nesteln mit wachsender Verzweiflung am schwarzen Büstenhalter, doch der Verschluss, der klemmt. Zum Verdruss der Partnerin, die einen Dilettanten an der feinen Seide wähnt. Dann erscheint, ein Geschenk des Himmels, das erlösende Codewort für das scheinbar unüberwindbare Schloss: Office XP – the unexpected experience.

So wirbt Microsoft Schweiz – besser: warb – für seine jüngste Software. Der Spot, der auf Schweizer Bildschirmen lief, wurde nach bloss zwei Wochen zurückgezogen. Offizielle Begründung: Die 30-Sekunden-Sequenz der Agentur McCann-Erickson in Genf sei bloss zur Lancierung der Büro-Software geplant gewesen, danach sei die Kampagne planmässig ausgelaufen. In der Branche aber kursiert eine andere Erklärung: Den PR-Strategen in Redmond bei Seattle, deren Slogans ungefähr so provokativ sind wie der Haarschnitt Bill Gates’, waren die Schweizer Werber offenkundig eine Spur zu keck.

Wer den liquidierten Spot gleichwohl besichtigen will, geht zu Adcritic.com, einer Website, die Werberfilme, die in den Giftschrank wanderten, flugs zu neuem Leben erweckt. Adcritic, wo neben abgesetzten Filmen 2000 weitere Commercials abrufbar sind, hat sein Publikum gefunden: Täglich besuchen 100’000 Besucher die Site. «70 Prozent der Werbeagenturen schauen jeden Monat vorbei», schätzt Peter Beckman, der 26-jährige Gründer und Chef der Firma. Adcritic gilt unter Amerikas unzähligen Adsites als «800-Pfund-Gorilla» – als Schwergewicht.

Der Schweizer Spot hat den amerikanischen Commercial-Spezialisten prima gefallen. Auf ihrer Top-Ten-Liste rangiert er auf Platz eins. «Microsoft macht in der Schweiz ziemlich scharfe Werbung», lautet der Kommentar.

Nicht nur Microsoft. Eine weitere Schweizer Firma hats in die Respekt heischende Liste geschafft. Adecco, der internationale Arbeitsvermittler aus Lausanne, rangiert mit einem schrägen Männerstrip auf Platz fünf der beliebtesten Werbespots.

Auch Schweizer Werber schätzen adcritic.com, wo neben Videos und Radiospots auch diverse Internet-Commercials gespeichert sind. Meint Liliane Lerch, Mitinhaberin von Beige Communications: «Adcritic bietet den schnellsten, einfachsten und vollständigen Überblick über die aktuellen Spots, den ich kenne.» Peter Beckman, der «silly commercials» über alles liebt, hat Adcritic vor zwei Jahren gegründet. Er wollte seinen Lieblingsspot zurückhaben, den man kurzerhand abgesetzt hatte. Zum Beweis der Saugkraft putzte ein Bissell-Staubsauger die Überbleibsel einer Katze vom Teppich, die zuvor explodiert war.
Geplatzt ist freilich auch Beckmans Business-Plan. Dieser sah vor, seinen viel besuchten Internet-Start-up, der ein Dutzend Leute beschäftigt, auf die Börsenstartbahn zu schieben. Doch da ist derzeit kaum Betrieb. Beckmans Alternative: «Nun kapitalisieren wir halt den Feedback unserer Besucher.» Der «password-protected bra» aus der Schweiz gehört zweifellos zu den meistverlangten Commercials.

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