Inline-Skates – Speed ist voll im Trend

Inline-Skates

Die Verkäufe von Inline-Skates gehen zurück. Ganz im Gegensatz zum Boom der Szene auf der Strasse.

Der Helikopter knatterte nicht über das Kloster Einsiedeln hinweg. Überraschend landete er auf der Wiese davor und spuckte zwei eilige Inline-Skater aus. Das Duo, sagt man, sei für ein Rennen auch schon bis ins Tessin geflogen. Manch einer lässt es sich eben etwas kos-ten, um am Swiss Inline Cup dabei zu sein. Noch vor fünf Jahren, bei der Premiere, verloren sich ein paar Dutzend Exoten auf den Strassen um den Sihlsee. Am letzten Wochenende überfluteten selben Orts 1150 Skater das Finale der Rennserie. Auch wenn die Verkäufe der schnellen Rollenschuhe seit knapp zwei Jahren rückläufig sind: Im wichtigsten Sportsektor ist der Boom ungebrochen.

An den acht Rennen des Swiss Inline Cups (SIC) nahmen heuer rund 13 000 Skater teil. «Das nächste Jahr werden es 20 000 sein», prophezeit Coni Altherr, der Gründer des SIC. Für diesen Quantensprung will er das Reservoir an Fun-Skatern anzapfen: Jene, die an den Rennen auf Zeitmessung verzichten, sollen unterwegs inskünftig Bars mit Verpflegung und Musik heimsuchen können. Der Wettkampf als lustiger Ausflug.

Altherr muss den Spagat zwischen Lifestyle und Spitzensport erst noch schaffen. Das laute, leicht chaotische Umfeld der Rennserie passt längst nicht allen ambitionierten Inline-Skatern. Nur wer im Spannungsfeld von Spektakel und Konzentration die Orientierung findet, kommt nämlich ans Geld. Und das fliesst immer reichlicher: Allein am SIC gibt es ein Preisgeld von 77 000 Franken. Die ausländischen Topskater kommen auf ein Jahressalär von über 100 000 Franken. Bezahlt werden sie seit kurzem von Markenteams mit Budgets bis zu 1,5 Millionen. Damit ist aus dem Einzel- ein Mannschaftssport geworden, in dem Taktik über alles geht. Die Schweizer sind dabei primär Statisten, über einen Halbprofi-Status kommen sie noch nicht hinaus. In der Aggressive-Szene (Halfpipe und Street) sieht es kaum anders aus. Hier zählen die Schweizer zwar zur internationalen Spitze, doch zu mehr als jährlich einigen zehntausend Franken reicht es ihnen nicht. Die Perspektive in diesem Bereich ist alles andere als rosig. «Unter den Aggressive-Skatern sind keine vermarktbaren Persönlichkeiten zu finden», beanstandet Erwin Flury. Der Veranstalter des Trendsport-Anlasses freestyle.ch stellt zudem fest, dass sich die Jugend wieder dem Skateboard zuwendet.

Kein Wunder, dass die Hersteller darum ihr Sortiment an Aggressive-Skates zusammenstreichen. Diese Entwicklung bekommen die Fun- und Rollerparks, in den letzten Jahren aus dem Boden geschossen, schon länger zu spüren: Viele haben mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Sämi Raimann, Teamchef von Rollerblade International, sieht allerdings schon wieder das Ende des Tunnels: «In den USA steigt das Interesse an den Aggressive-Skates.» Der Inline-Skate-Boom hat gleich zwei Verbänden zu einem neuen Image verholfen. Beim Schweizerischen Rollsportverband (SRV) verdrängten die Skates die Schnelllauf-Rollschuhe innert kürzester Zeit. Doch zu einer Mitgliederexplosion führten sie nicht. SRV-Präsident Ernst Egli wollte per Ende Jahr 2000 Mitglieder bilanzieren, doch die Zahl wird bei weitem nicht erreicht. Eine ähnliche Erfahrung machte Franz Rohrbach vom Schweizerischen Rollhockey-Verband, der nach der Aufnahme des Inline-Hockeys vor zwei Jahren zwar eine Verdoppelung der Mitgliederzahl feststellen konnte. Doch aus den erwarteten 200 bis 300 Teams wurde nichts: Zur Saison 1999 starteten 76 Mannschaften; die Rollhockeyteams sind noch immer in der Überzahl. Auch sonst verleitete das Inline-Hockey nicht nur zu Enthusiasmus: Zwar gewann die Schweiz heuer im Berner Oberland den WM-Titel, doch die Veranstalter müssen ein Defizit von 50 000 Franken verdauen. Nun wünscht der Schweizerische Olympische Verband, dass sich die zwei Verbände unter ein Dach begeben. Einige Traditionalisten wehren sich jedoch gegen eine Fusion, die das Ende des klassischen Rollsports einläuten würde. Solche Überlegungen kümmern Coni Altherr wenig.

Schliesslich ist der Katalysator der Inline-Bewegung auf dem Weg dazu, die Langstreckenszene international zu beherrschen. Nächstes Jahr will er eine erste Weltcup-Serie lancieren.
Auch mit Olympia liebäugelt Altherr – in Athen 2004 soll der erste Inline-Marathon stattfinden. Wobei er den Begriff «Marathon» nicht allzu eng sieht, spricht er doch von 64 statt 42,195 Kilometern. Mit gutem Grund: Weil das Niveau an der Spitze immer höher wird, gibt es kaum mehr Langstrecken-Rennen ohne Massenspurt. Darum werden die SIC-Prüfungen lang und länger – bis zu 111 Kilometern. Nun sollen noch ein paar Steigungen hinzukommen. Ein anderes Problem hat Altherr bereits im Griff. Nachdem die Aggressivität in den grossen Feldern zu Massenstürzen geführt hatte, strich er die Zeitmessung in den Fun-Kategorien. Die eiligen Helikopter-Reisenden dürften in einer anderen Kategorie gestartet sein.

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