Die zweite Chance

Warner

Der Plattenmulti Warner unternimmt alles, um die Basler Lovebugs doch noch zu Stars zu machen.

Cool, die Popstars, die im Zürcher Hotel «Limmathaus» nachmittags um halb drei verkatert beim Frühstückstee hängen, mit schwarz geschminkten Augenrändern und marineblau lackierten Nägeln der eine, mit Schmuseblick und Unschuldsgesicht der andere. Sind bestimmt Musiker aus Glasgow. Oder DJs aus Manchester? Rocker aus Übersee?

Cool. Nur etwas stimmt nicht. Die beiden reden Baaseldytsch. Sebastian Hausmann und Adrian Sieber, Bassist und Sänger der Lovebugs, parlieren und posieren für die lokale Presse. Bald möchten sie aber in Manchester oder Übersee Pop-Star-Weisheiten absondern wie «Das Album ist emotional so stark, da braucht es nicht rauer zu sein». Interviews? Habe er schon als Bub vor dem Spiegel geübt, gibt Hausmann grinsend zu. Popstars? Wollten sie schon immer werden. Cool.

Den Traum zu verwirklichen, daran setzt die Zürcher Filiale des Musikmultis Warner alles. Nie trieb eine Plattenfirma solchen Aufwand, eine Schweizer CD zu lancieren, wie Warner für «Transatlantic Flight». Liess den R.E.M.-Produzenten Tony Harris einfliegen; in der Wüste von Nevada ein Video drehen; lässt die halbe Schweiz plakatieren; die Tour von Swizz und DRS 3 puschen; schickt die Band in «Casa Nostra»; arrangiert Medientermine von «Annabelle» bis Radio Z. In Produktion und Marketing floss eine geschätzte Viertelmillion. Zum Vergleich: Göläs «Uf u dervo» kostete 12 300 Franken.

«Das ist unsere bisher grösste Kiste, sie ist klar international ausgerichtet»: Andi Renggli, bei Warner fürs nationale Repertoire zuständig, gibt den Mann von Welt. Allein in der Schweiz kann die Platte ihre Kosten nicht einspielen. «Wir spekulieren aufs Ausland», sagt Renggli. Bereits hat die deutsche Partnerfirma Wea eine Veröffentlichung zugesichert, dann soll das Album in Skandinavien und den Benelux-Ländern erscheinen.

Den Rummel nimmt die Band – für ihren unverblümten Erfolgshunger seit sieben Jahren von den einen bewundert, den andern verhöhnt – gelassen. «Verschissen ist das Pop-Business so oder so», sagt Sieber cool, «aber bei einer grossen Plattenfirma bekommst du mehr Mittel, ein Album so gut zu machen, wie du willst.» An Videos und Web-Sites zu arbeiten, findet er «im Multimedia-Zeitalter ganz natürlich», für Hausmann gehört «das Styling einfach dazu».

Nie standen die Chancen einer Schweizer Pop-Band zum internationalen Durchbruch so gut. Halt! Das schrieb FACTS schon einmal, am 13. März 1997. Und es ging schief: Nach 15 000 verkauften CDs weigerten sich die Lovebugs, den Vertrag mit BMG Deutschland zu erneuern. «Die können vielleicht Tic Tac Toe vermarkten, nicht aber eine echte Band wie uns», sagt Hausmann. Sieber übt Selbstkritik: «Wir wollten krampfhaft unseren Hit Angel Heart kopieren, doch es entstand nur müder Abklatsch.»

Jetzt sei die Krise überstanden, die Band will erneut abheben. Die CD-Hülle zeigt sie hoch glänzend in der Klotener Abflughalle. Doch der Erfolg ist nicht garantiert, nur weil die Major Companys in der Schweiz auf den Geschmack heimischer Bands gekommen sind – Universal mit Crank, Emi mit Lunik, Sony mit Subzonic. Einzig BMG erzielte mit Gotthard respektable Ausland-Resultate. Deshalb gibt sich Sieber bescheidener als 1997. «So you want to be a rock ’n’ roll star? Better get up and remember who you are», singt er cool. Und deutscht aus: «Ich erwarte kein Wunder.»

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