Die letzten Worte im Cockpit

Die letzten Worte im Cockpit

Der Kopilot der Crossair-Unglücksmaschine hat die falsche Richtungsänderung bemerkt. «Left, left, left!», warnte er.

Montag, 10. Januar, 17.56 Uhr. Zwei Minuten nach dem Start biegt die Saab 340 B Cityliner der Crossair in eine Rechts- statt in eine Linkskurve ein. Wenige Sekunden später stürzt sie bei Niederhasli ZH in steilem Winkel auf ein Rapsfeld. Zehn Menschen sterben.

Zumindest der Kopilot der Unglücksmaschine hat die falsche Richtungsänderung offenbar bemerkt. Diesen Schluss lässt ein kurzer Auszug des Cockpit-Aufzeichnungsgeräts zu, wie jetzt bekannt wird. Darauf ist First Officer Rastislav Kolesar zu hören, der mit warnender Stimme sagt: «Left, left, left» (links, links, links). Das waren die letzten Worte, die im Cockpit gesprochen wurden. Wenige Sekunden später stürzte das Flugzeug in das Rapsfeld. Was Kolesars Worte in Bezug auf die Absturzursache bedeuten, ist völlig unklar.

Der Inhalt des Cockpit Voice Recorder (CVR) wird vom Büro für Flugunfalluntersuchungen (BFU) unter Verschluss gehalten. Doch ausgerechnet aus dem Innern der Crossair sind jetzt Teile der vertraulichen Aufzeichnungen bekannt geworden. Crossair-Chef Moritz Suter und Flugbetriebsleiter André Dosé machten sie letzte Woche an verschiedenen Personalanlässen öffentlich. Auch gegenüber Wartungstechnikern wurden Kolesars Worte wiederholt. BFU-Chef und Untersuchungsleiter Jean Overney wollte die Angaben weder bestätigen noch dementieren.

Am 21. Januar hatte BFU-Chef Jean Overney auf dem Zürcher Flughafen an einer Medienkonferenz über die Auswertung der Flugdatenschreiber orientiert. Overney sagte damals, dass «keine Aussage der Piloten direkt auf eine mögliche Absturzursache hinweist». Weitere Angaben zum Inhalt des Cockpit Voice Recorder verweigerte das BFU – «aus Gründen des Datenschutzes». Die Worte «Left, left, left» des Kopiloten wurden in keiner Weise erwähnt.

Overney begründete seine Zurückhaltung an der Medienkonferenz mit der Praxis anderer Untersuchungsbehörden, zum Beispiel des kanadischen TSB im Fall von Swissair Flug 111. Dieser Vergleich hinkt. In Kanada existiert ein Gesetz, das die Veröffentlichung des Cockpit Voice Recorder verbietet. Eine ähnliche rechtliche Grundlage gibt es in der Schweiz nicht. Flugunfalluntersuchungen sind in einer Verordnung des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) geregelt. Dass die Cockpit-Gespräche nur den Untersuchungsbehörden zugänglich sein sollen, ist darin nicht aufgeführt. Overneys Rechtsauslegung basiert auf einem – angeblichen – Wunsch aus der Pilotenschaft. «Sie hätten es auch nicht gerne, wenn ihr Chefredaktor ihren Arbeitsplatz abhören würde», sagte er an der Zürcher Medienkonferenz. Das Aufzeichnen der Cockpit-Gespräche dient allerdings nicht der Bespitzelung, sondern einzig der Flugsicherheit. Deshalb zeigen auch die wenigsten Piloten damit Mühe. Informationen des Cockpit Voice Recorder haben bereits in zahlreichen Fällen zur gründlichen Aufklärung von Flugzeugunfällen beigetragen.

Bedenklich stimmt, dass die Schweizer Untersuchungsbehörden mit derart ungenauen Aussagen die eigene Glaubwürdigkeit untergraben. Und offenbar wird mit verschiedenlangen Ellen gemessen. Während Crossair-Chef Moritz Suter vertrauliche Informationen intern grossflächig verbreitet, hält sich die SAirGroup bei SR 111 an die von den Untersuchungsbehörden auferlegte Verschwiegenheit. Der genaue Inhalt des Cockpit Voice Recorder ist bei der Swissair noch heute, anderthalb Jahre nach der Katastrophe von Halifax, nur einigen wenigen Spezialisten bekannt.

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