Conny-Land – Heimliche Geburt

Conny-Land

Man wollte Spekulationen über den Zustand des Delfinbabys verhindern, darum verleugnete Conny-Land den Nachwuchs zunächst. Doch dieses Vorgehen erwies sich als ungeschickt.

Die Nachricht war eigentlich gut: Am Sonntagmorgen des 9. September habe im ConnyLand ein Delfinjunges das Licht der Welt erblickt, teilte die Tierschutzorganisation ASMS (Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Meeressäuger Schweiz) in einem Communiqué mit. Seltsam war nur, dass das Conny-Land selber dieses freudige Ereignis der Welt vorenthalten wollte. Noch einen Tag später leugnete der Lipperswiler Vergnügungspark hartnäckig die Geburt. «Nein, das Baby ist noch nicht da, aber wir erwarten es täglich», hiess es auf Anfragen. Erst am Abend wurde die Delfin-Geburt dann doch noch offiziell bestätigt.

Die widersprüchlichen Meldungen aus Lipperswil lösten genau das aus, was man dort hatte verhindern wollen: eine Flut von Spekulationen. Wieso wurde die Geburt zuerst abgestritten? Sollte ein Unglück vertuscht werden? Kam das Junge krank oder gar tot auf die Welt? Nachdem letztes Jahr kurz hintereinander zwei junge Delfine starben – der eine erstickte während der Geburt, der zweite verendete nach wenigen Wochen -, herrschten im Conny-Land Nervosität und Hektik.

Darum habe man erst in Ruhe abwarten wollen, wie sich Mutter und Kind entwickeln, erklärt Albert Schmid, Marketingleiter des Conny-Land. Und prompt: Kaum war die Neuigkeit publik, strömte das Publikum in den Freizeitpark, um das neue Delfinmännchen, das bei der Geburt 1 Meter lang und 8,3 Kilo schwer war, zu besuchen. Aber Pech, es gab nichts zu sehen. Der Kleine und seine Mutter sind von den übrigen Delfinen getrennt untergebracht. Sie bleiben über den Winter draussen im ehemaligen Seehundbecken und sind durch einen Holzzaun vor neugierigen Blicken geschützt. Auch am Eingang des Freizeit- und Vergnügungsparks fand sich kein Hinweis auf das Delfinjunge. Etliche besorgte und enttäuschte Besucher fragten nach, ob etwas mit dem Jungen nicht stimme.
In diesem Punkt kann der Thurgauer Tierarzt Georg Müller beruhigen. Er besuchte die Delfine kurz nach der Geburt sowie nochmals am letzten Freitag und bestätigt: «Beide sind wohlauf. Das Junge ist gesund, schwimmt munter und säugt gut, die Mutter frisst.» Das sind gute Zeichen. Was nicht heisst, dass die Gefahr gebannt ist. Das erste Lebensjahr gilt als sehr kritisch. Erst wenn das überstanden ist, kann man im Conny-Land aufatmen. Bisher hat der Tierarzt die Delfine nur vom Beckenrand aus beobachtet. Genauere Untersuchungen, bei der die Tiere aus dem Bassin genommen werden, will er erst in einigen Wochen durchführen. «Wenn die kritische erste Phase vorbei und Ruhe eingekehrt ist», sagt Müller.

Als kleines Zugeständnis an die öffentliche Neugierde – und um die zahlreichen zahlenden Zuschauer nicht zu verärgern – wurde der Holzzaun beim Becken, in dem der junge Delfin untergebracht ist, kurzfristig durch eine Plexiglasscheibe ersetzt. Mit etwas Geschick kann man so einen Blick auf das Neugeborene erhaschen. Das wiederum bringt dem Conny-Land den Vorwurf ein, mit dem Jungtier Kasse machen zu wollen. «Es ist zum Verzweifeln», klagt Marketingchef Schmid, «wir können machen, was wir wollen, es ist immer das Falsche. Geben wir die Geburt bekannt, heisst es, wir wollten zusätzliche Zuschauer anlocken. Sagen wir nichts, wird vermutet, wir hätten etwas zu verstecken. Zeigen wir das Baby, nennt man uns sensations- und geldgierig. Zeigen wir es nicht, heisst es, das Junge sei tot.»

Vermutlich bis im nächsten Frühling wird der noch namenlose Jungdelfin mit Mutter «Chiqui» und Vater «Gecko» im Seehundbecken bleiben. Am 28. Oktober schliesst das Conny-Land seine Pforten für die Winterpause. Ende März 2002 dann kommt die kleine Familie wieder zur übrigen Herde ins Delfinarium. Bis zur Wiedereröffnung soll auch das neue, drei Millionen Franken teure Delfinarium fertig gestellt sein. Vorgesehen ist eine 18×35 Meter grosse Lagune mit fünf verschiedenen Becken – unter anderem das von Tierschützern geforderte separate Ruhe- und Zuchtbecken.
Zwar betont Seniorchef Conny Gasser, er plane keine Delfinzucht. Aber auch er kann nicht ausschliessen, dass es zu weiteren Delfin-Geburten kommt. Immerhin ist zurzeit das zweite Delfinweibchen, «Chispa», im Delfinarium allein mit zwei Männchen.

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