Web statt Äther

Audio Streams

Surfen und «Audio Streams» reinziehen: Online Radio Hören setzt sich durch.

Die Kunde vom multimedialen Radio gelangte über altbewährtes Druckmaterial zu Sacha Oberhaensli. Der Webentwickler erhielt von einem Kollegen einen Werbeflyer für Virus, das «Radio neuste Generation», wie sich das jüngste Projekt der SRG selber nennt. Der Flyer verhiess Sound via Internet. «Die Verbindung war etwas langsam», sagt Oberhaensli, aber die Qualität der Website veranlasste ihn, ein begeistertes E-Mail in die Virus-Studios zu schicken. «Jetzt bin ich auf interaktive Radiosendungen gespannt», sagt der 21-Jährige.

Oberhaensli gehört zu den Radiohörern «neuste Generation»: Die lassen sich durchs Programm berieseln, während sie im Internet surfen oder chatten. Der Sound – Neudeutsch «Audio Streams» – läuft brav im Hintergrund. «Streamies» wie Oberhaensli gibt es bereits zu Tausenden in der Schweiz. «Sie hören nicht nur online Radio», sagt Virus-Chef François Mürner, «auch die Reaktionen laufen massiv übers Netz ab.»

Das Web setzt sich endgültig als Radiogerät durch. Seit dem 20. November sendet der SRG-Jugendsender Virus via Kabel und Web, und allein innerhalb der ersten vier Tage gabs bei «Virus.ch» zweieinhalb Millionen «Hits» durch angewählte Seiten und Bilder. «Wir erhielten Mails aus ganz Europa», sagt Mürner. Die Jungmoderatoren und -redaktoren des Senders sind dauernd online und beziehen die Reaktionen der Hörer kontinuierlich ein. Doch nicht nur für den neuen Screenager-Sender der SRG gewinnt das Web an Bedeutung.

«Die Radionutzung via Internet ist im letzten halben Jahr gewaltig gestiegen», sagt der Chef von Radio Top in Winterthur, Günter Heuberger. Und André Moesch, Site-Verantwortlicher von Radio Basilisk, meint: «Ich traue der Website fast schon die Rolle eines zweiten Standbeins und eines Zweitmarktes zu.» Zwar sei das Internet kommerziell noch nicht interessant. «Aber da es das Radio durch grafische Elemente ergänzt, könnte es für die Werbung bald wichtig werden.»

Moeschs Idee: «Kurzer Spot am Radio, weitere Infos im Internet.» Im Oktober verzeichnete der Sender über 6000 Besuche ganzer Internetseiten, so genannte Pageviews, pro Tag: «Die Zahl nimmt stetig zu, und die Nutzerschicht wird viel breiter.» Eine Folge: Der Basler Sender baut seine Präsenz im Web aus. «Wir schaffen ein Programmarchiv, das über die Nachrichten hinausgeht.»
Bei Virus kommt François Mürner denn auch zum Schluss, das Internet werde in wenigen Jahren als Radiomedium ähnlich wichtig wie Kabel und Äther. «Das Internet muss für einen Sender Teil des Ganzen werden. Und darf nicht mehr etwas sein, das nebenbei gemacht wird.»

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