So tun als ob: «Die Sims»

Die Sims

Für ehescheue Singles: «Die Sims» ist eine Seifenoper zum Selbstbasteln.

Familiengründung ist nicht jedermanns Sache. Experimente gibt es nicht; wer sich entschliesst, verplant gleich das halbe Leben, ohne Chance auf ein Zurück. Da bleiben viele lieber Single.

Nun gibt es Abhilfe für diese ängstlichen Zeitgenossen: das Familienexperiment im PC. «Die Sims», heisst das Programm, das nächste Woche in die Läden kommt. Erfunden hat das Spiel Will Wright, Schöpfer der Sucht erzeugenden Bürgermeister-Simulation «Sim City». Nun geht es nicht mehr um das Entstehen und Vergehen ganzer Städte, sondern um Zwischenmenschliches im eigenen Wohnzimmer. Eine «Daily Soap» zum Selbstbasteln.

Zu Beginn des Spiels gilt es, der virtuellen Testperson Charakter und Aussehen zu verleihen. So schafft man partysüchtige Schlamper, schüchterne Reinlichkeitsfanatiker, coole Businessfrauen oder einfach eine hübsche, nette Nachbarin für den späteren Familienversuch. Jeweils eine der Personen steuert man selbst, die Mitbewohner und die restliche Nachbarschaft bewegt der Computer.

Vom Startkapital erwirbt man ein kleines Häuschen, in dem bis zu acht Sims Platz finden, und schon geht es los. Die Anschaffung von Badewanne und Bett, Fernseher und Bücherregal leert die Kassen, und da es im Sim-Land keine Sozialversicherung gibt, müssen einige Sims in jedem Haushalt auf Arbeitssuche. Die Lokalzeitung hilft dabei.

Egal, ob der Sim seine Brötchen als Politiker, Wissenschaftler, Verbrecher oder Polizist verdient, das Spiel selbst dreht sich nur ums Privatleben. Herr Sim wird morgens abgeholt und abends zurückgebracht. Nach Feierabend ist er dann wieder steuerbar und darf sein Wohlbefinden oder die Karriere pflegen.

Und dann ist da ja noch die Nachbarin … Dingdong – wie in jeder echten Soap klingelt es an der Tür, und da steht sie. Nun bewährt es sich, dass wir sie und Herrn Sim mit passenden Charaktereigenschaften versehen haben. Wir klicken auf die Auserwählte, da macht Herr Sim einen kleinen Scherz, und schon steigen bei ihr die Sympathiepunkte. Bei 50 Punkten darf er ihren Rücken kraulen, bei 75 macht er einen Heiratsantrag. Dann geht alles sehr schnell. Bettszenen gibt es nicht; zum Nachwuchs kommt man per Menü-Option. Drei Tage lang bricht Hektik aus, und das Baby will gefüttert und in den Schlaf gesungen werden. Aus dem Schreihals wird über Nacht ein schulpflichtiges Kind, das nicht altert – die Familie ist perfekt.

Doch anders als in Echt geht bei den Sims die Freiheit nie ganz verloren: Ohne jeden Herzschmerz speichern wir die Familie einfach ab und gründen im Nachbarhaus schnell eine Männer-WG. Mit Stapeln von Bierkästen, vollen Aschenbechern und wüsten Partys. Ganz wie es sich gehört.

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