SMART & Swiss Made

Swiss Made

Vom Garagentüftler zum Börsenmillionär – solche Traumkarrieren gibts nicht nur im fernen Silicon Valley. Schweizer Unternehmensgründer wie Adrian Knapp und Clark Sachs nutzen die Chancen der New Economy und setzen Visionen in Erfolge um.
Adrian Knapp führt das Leben eines Weltenbummlers. Der Mann, der seine Firma Cope als europäische Nummer eins in der Datenspeicherung und -sicherung positionieren will, ist hundert Tage im Jahr auf Reisen und lässt kaum einen Wochentag ohne Sitzung verstreichen. «Ich bezahle den Preis für den Erfolg», meint Knapp. Der heute 36-Jährige kann es sich auch leisten: Er ist ledig, kinderlos und bezeichnet seinen Beruf als Hobby.

Auch Clark Sachs, CEO und Gründer des Dübendorfer Netzwerk-Dienstleisters All Com, lebt annähernd einen 7-mal-24-Stunden-Job. Doch kommt es vor, dass er manchmal mitten in der Arbeit innehält, mit seinen drei Kindern – den beiden 15 und 9 Jahre alten Töchtern und seinem dreijährigen Sohn – ins nächstgelegene Hallenbad fährt und zwei Stunden später an seinen Arbeitstisch zurückkehrt. Ebenso legt er Wert darauf, dass seine Kinder und seine Frau jederzeit zu ihm durchgestellt werden, wenn sie ins Geschäft anrufen. Das seien Abmachungen gewesen, die er mit seiner Frau schon vor der Firmengründung getroffen habe, und die sich jetzt bewährten: «Meine Frau trägt einen wesentlichen Anteil am Erfolg.»

Unternehmer wie Knapp und Sachs personifizieren den Aufbruch der Schweiz in die internetbasierte Hochgeschwindigkeitswirtschaft. Was die Lebensführung betrifft, unterscheiden sie sich zwar deutlich, doch ansonsten gibt es zahlreiche Parallelen zwischen den beiden Topunternehmern. Die vielleicht auffälligste ist, dass beide jahrelang bei IT-Firmen gearbeitet, dort ihre Erfahrungen gemacht und sich dann gesagt haben: Was andere können, kann ich schon lange.

Adrian Knapp zum Beispiel war bei der inzwischen liquidierten Luzerner IT-Handelsfirma ACU dabei, sprang ab, als der Akku leer war, und gründete die Rotkreuzer Dicom mit, stieg allerdings bald wieder aus und begann als Untermieter in einer Dreieinhalb-Zimmer-Wohnung im Luzerner Vorort Adligenswil, Datenspeicher für grosse IBM-Rechner zu konfigurieren. Zusammen mit seinem damaligen und heutigen Partner Stephan Isenschmid war er der Meinung, dass die Datenspeicherung «zu dem Thema der Neunzigerjahre» werden würde. Eine Überzeugung, die 1991 zur Gründung der Cope führte. Knapp und Isenschmid waren vielleicht zwei, drei Jahre zu früh auf dem Markt, weshalb die beiden viel Pionierarbeit leisten mussten. Doch heute gibt ihnen der Erfolg Recht.

Verschlungen waren auch die Wege von Clark Sachs: Nach dem Verkauf des familieneigenen Taxiunternehmens an den Zürcher Taxi-Meier ging er Anfang der Achtzigerjahre zunächst auf eine ausgedehnte Weltreise und heuerte schliesslich bei Rank-Xerox an, wo er sich schnell einen Namen als Verkäufer machte. Dann folgte der Wechsel zu MDS, der heutigen Netzwerkdivision der Alcatel, und der Aufstieg ins Management – bei MDS wurde er Leiter der Internet Working Group – und schliesslich die Gründung der All Com.

All Com

Clark Sachs (Bild) ist Gründer und CEO der Dübendorfer All Com. Die Firma mit heute 125 Mitarbeitenden hat sich auf die Netzwerktechnologie der amerikanischen Cisco spezialisiert und ist dank dieser Ausrichtung in nur vier Jahren zum Schweizer Marktführer herangewachsen. Mit ihrer breiten Dienstleistungspalette – die All Com berät, realisiert selber und steht auch als Outsourcing-Partner zur Verfügung – zählt sie praktisch alle grossen Telcos und 18 der 50 grössten Schweizer Unternehmen zu ihren Kunden. Am 11. Mai wird Sachs den Startschuss zum IPO der Dübendorfer geben. Die Firma, die bisher ausschliesslich aus den eigenen Erträgen gewachsen ist, will ihren Umsatz heuer von 30 auf 50 Millionen Franken hochfahren und dabei auch 50 neue Stellen schaffen. Die ersten Schritte für die Expansion ins Ausland hat die All Com eingeleitet.

«Es war ein Entschluss aus dem Bauch», blickt Sachs zurück. Gar nicht Gefühlssache war jedoch die eigentliche Geschäftsidee: Sachs ahnte schon 1996, dass dem Netzwerkgeschäft eine grosse Zukunft bevorstand, und er setzte im Gegensatz zur Konkurrenz voll auf Produkte der amerikanischen Cisco, die heute rapide wächst und seit dem Microsoft-Aktieneinbruch die teuerste Firma der Welt ist. Das Resultat war, dass die All Com praktisch vom ersten Tag an Geld verdiente, im vergangenen Jahr 30 Millionen Franken umsetzte und für das Jahr 2000 einen Umsatz von 50 Millionen Franken budgetiert.

Dass der frühere Amateurboxer Sachs einmal eine derartige Karriere machen würde, hätten ihm wohl zumindest seine früheren Gymnasiallehrer nicht zugetraut, denn Sachs erwies sich wie im Übrigen auch Adrian Knapp nicht als eifriger Zögling und brach die Mittelschule vorzeitig ab. Die Matura und ein Studium der Betriebswirtschaft an der Universität Zürich holte er in seiner Zeit bei Rank-Xerox im Abendstudium nach.

Und damit nicht genug: Seinen Erfolg mit der All Com schreibt er ohne zu Zögern seinem selbst entwickelten Ausbildungskonzept zu. Im Gegensatz zu vielen Grossfirmen, welche nur den Markt abgrasen, bildet die All Com praktisch seit dem ersten Tag eigene Fachkräfte aus. Das Ausbildungsbudget der All Com beträgt seit Jahren sage und schreibe 15 bis 20 Prozent des Gesamtumsatzes.

Konkret sieht das Ausbildungssystem vor, dass jeder Neueinsteiger die Möglichkeit hat, eine 18-monatige Ausbildung zum «Cisco-certified Internet-working Expert» zu absolvieren. Besteht er die Prüfung in den Fächern Business-Administration, Logistik und Organisation sowie Sozialkompetenz, wird er von der All Com angestellt. Kostenpunkt für die erfolgreichen Abgänger: null Franken. Clarks Idee eines Firmencolleges hat inzwischen derart Furore gemacht, dass sich angesichts des ausgetrockneten IT-Arbeitsmarktes auch Grossbanken und Treuhandfirmen an seiner 1999 gegründeten Stiftung Swiss IT-Society beteiligen wollen.

Das Engagement von Clark Sachs für den Ausbildungsstandort Schweiz hat nicht zuletzt einen gesellschaftspolitischen Hintergrund. Auf Grund seiner Erfahrungen in den USA, wo er sich für ein halbes Jahr als Cowboy anstellen liess, weiss er, dass die Schweiz durchaus ihre Vorzüge hat, dass sie aber etwas dafür tun muss, wenn sie diese Vorzüge behalten will. «Viele Schweizer sind faul geworden. Sie machen zu wenig aus sich.»

Sowohl Sachs als auch Knapp sehen trotz aller Kritik an der Schweiz im Einzelnen doch insgesamt mehr Licht als Schatten. Und diese Art des positiven Denkens hat vor allem damit zu tun, dass beide ausgedehnte Erfahrungen im Ausland gemacht haben.

Cope

Adrian Knapp (Bild) ist Gründer und heutiger Verwaltungsratspräsident der Rotkreuzer Cope. Die Firma ist seit drei Jahren an der New Yorker Nasdaq kotiert und hat vor wenigen Wochen auch den Sprung an den Frankfurter Neuen Markt geschafft. Die Kernkompetenz der Cope liegt bei der Entwicklung, dem Vertrieb und der Implementierung von Konzepten der Datenspeicherung und -sicherheit. Cope gilt heute mit 130 Mitarbeitern und einem budgetierten Umsatz von 70 Millionen Franken als europäische Nummer eins und bewegt sich in einem Markt, der weltweit stark wächst.

Adrian Knapp ist beispielsweise unmittelbar nach der KV-Lehre nach Kalifornien ausgewandert, um dort seinen Master of Business Administration (MBA) zu machen. Lange ist er dann zwar nicht geblieben, und sein berufsbegleitendes Ökonomiestudium hat er erst später in der Schweiz durchgezogen, doch profitiert hat er in den Staaten trotzdem: Er bekam mit, wie im Land des kreativen Kapitalismus Geschäfte gemacht werden. Diese Erfahrungen haben ihm später geholfen; etwa, als es 1997 darum ging, für die junge Cope neue Mittel zu generieren. Da brachte Knapp nicht die Mutterfirma selbst an eine Börse, sondern übernahm in den USA eine kleine, an der Nasdaq kotierte Entwicklerfirma.

Damit hat sich das Management laut Knapp Gelegenheit verschafft, ein Trainingslager in puncto Börsen-Know-how zu absolvieren. Ein Training, das sich übrigens rund zwei Jahre später als äusserst nützlich erwiesen hat, denn just im Vorfeld des Secundary Public Offering (SPO) am Neuen Markt geriet die Cope in Turbulenzen. Die Firmenumsätze sanken in den Keller, gleichzeitig kamen auch die Preise für Papiere von IT-Newcomern ins Rutschen. Dank ihren Börsenerfahrungen haben die Rotkreuzer jedoch Ruhe bewahrt, das SPO vom Herbst 1999 auf Anfang Februar 2000 verschoben und sich voll und ganz auf das Kerngeschäft konzentriert. Nötig war es allemal: «Wir haben im Sommer 1999 wichtige Alarmsignale von Seiten des Marktes übersehen», blickt Knapp auf das seiner Meinung nach schwierigste Jahr in der Firmengeschichte zurück. Die Kunden hätten primär in Projekte im Zusammenhang mit dem Millenniumbug investiert und alle übrigen Aufgaben zurückgestellt. «Da hat sich ausgewirkt, dass keiner von uns über eine 25-jährige Managementerfahrung verfügt», gibt sich Knapp selbstkritisch.

Inzwischen ist das Formtief überstanden. Dank der schliesslich erfolgreichen Kotierung am Neuen Markt – die Aktien wurden zu 21 Euro emittiert und werden heute je nach Markttrend zwischen 54 und 85 Euro gehandelt – konnte auch schon die nächste Akquisition getätigt werden: Im Februar hat Cope per Aktientausch die Firma Mount10.com übernommen und sieht sich nun in der Lage, in den Schweizer Alpen, mitten in einem militärischen Sperrgebiet, einen Hochsicherheitsbunker für die Einlagerung sensibler Daten zu betreiben. Ausserdem sind Firmenkäufe in Nordeuropa geplant.

Für die Cope ist eine aggressive Akquisitionspolitik überlebenswichtig, denn allein mit den inneren Ressourcen könnte sie die stetig steigenden Bedürfnisse ihrer Kunden nicht befriedigen. Namentlich die Grossbanken, die zu den Cope-Kunden der ersten Stunde gehören, stellen auch immer höhere Ansprüche an die Datensicherheit. Entsprechend wenig Verständnis hat Adrian Knapp für das «Geschrei, es seien vor allem die Spekulanten, die an der Börse Geld verdienen». Für ihn ist die Rechnung einfach: Wer investiert und sein Geld riskiert, wird im Erfolgsfall vom Kapitalmarkt honoriert und kann forsch wachsen. Genau das will jetzt auch Clark Sachs. Bei der All Com steht das IPO vor der Tür. Dieser Tage führt Sachs Gespräche mit strategischen Anlegern, welche die Expansion ins deutschsprachige Ausland forcieren sollen; im Spätherbst werden die All-Com-Papiere «zu 99 Prozent über den SWX New Market» (Sachs) auch den übrigen Anlegern abgeboten. 20 bis 25 Prozent der Aktien sollen schliesslich frei gehandelt werden.

Sachs weiss, dass ihm dieser Schritt eine vermehrte öffentliche Präsenz bescheren wird; zumal sich mittlerweile auch Medien für IPO interessieren, denen ein Börsengang bis vor kurzem keine Zeile wert gewesen wäre. Aber während Adrian Knapp die öffentliche Aufmerksamkeit seit dem IPO manchmal unangenehm ist, sieht Sachs der Zukunft durchaus mit Freude entgegen: «Das Repräsentieren liegt mir.» Für ihn ist der Börsengang schlicht und einfach eine neue Herausforderung.

Stichwort Herausforderung: Sachs und Knapp haben gemeinsam, dass sie den Gelderwerb als Mittel zum Zweck begreifen. «Das Geld kommt schnell, und es kann auch schnell wieder gehen», sagt Adrian Knapp. Zudem: Für sein täglich Brot müsste keiner der beiden Topunternehmer mehr arbeiten. Beide sind mehrfache Millionäre oder werden es nach dem Börsengang. Für Adrian Knapp ist klar, dass er seinen Job als VR-Präsident der Cope an den Nagel hängt, wenn ein anderer kommt und es besser kann. «Dann fahre ich in die Bahamas und gehe segeln.»

Bis zum jüngsten Tag will auch Clark Sachs nicht arbeiten: «Mein Ziel ist es, mit 55 Jahren zu privatisieren.» Danach will er zuerst mit dem Mobilhome durch Australien kreuzen. Doch untätig sein ist Sachs’ Sache nicht: Das langjährige FDP-Mitglied hält es für denkbar, dass er sich später bei einer gemeinnützigen Stiftung engagiert. Die Begründung klingt wie aus dem Lehrbuch für amerikanische Erfolgsunternehmer: «Es gehört zu meinen Pflichten, einen Teil meiner Zeit der Öffentlichkeit zu widmen.»

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