Seid gepriesen, Milliarden

Milliarden

Gut zu wissen für die Versicherten: Die Performance der meisten Schweizer Pensionskassen kann sich sehen lassen. Die Vermögen wurden in den letzten Jahren um Milliarden gemehrt. Das hat eine gross angelegte Umfrage ergeben, die BILANZ zusammen mit Partnern durchgeführt hat. Auch müssen die Versicherten nicht um ihre Renten bangen, denn die meisten Kassen stehen finanziell ganz ausgezeichnet da.

Von der Robeco Institutional Asset Management initiiert und unter ihrer Federführung, haben die Zeitschriften BILANZ, «Schweizer Personalvorsorge» und «Bilan» nach zwei Jahren erneut eine Umfrage bei sämtlichen Schweizer Pensionskassen durchgeführt, bei der es um die Anlagen der Pensionskassen geht. Gegenüber der ersten Umfrage wurde insbesondere die Fragestellung in zahlreichen Punkten verfeinert, um noch mehr Transparenz in das Anlageverhalten der Kassen zu bringen.

Gefragt wurde unter anderem nach der Höhe der verwalteten Vermögen und deren Aufteilung auf die verschiedenen Anlagemedien heute und in fünf Jahren (siehe Grafik «Vermögensstruktur»), nach der Gesamtperformance und der Rendite der einzelnen Anlagekategorien; wir wollten Auskunft erhalten über Organisationsstruktur, Anlagerichtlinien, Bewertungskriterien, Reservepolitik, Entscheidungsmechanismen, Vergabe von Mandaten oder Kosten für die Vermögensverwaltung.

Der Fragebogen war anspruchsvoll, er richtete sich an das versierte Personal der Pensionskassen. Für insgesamt 16 Themenbereiche waren über 120 teilweise sehr komplexe Fragen zu beantworten. Die statistische Auswertung erfolgte durch das Schweizerische Institut für Banken und Finanzen an der Universität St. Gallen, während die fachliche Kommentierung der Ergebnisse Exponenten der beruflichen Vorsorge oblag (siehe «Die Experten»). An unserer Umfrage haben 259 Pensionskassen teilgenommen, 20 mehr als vor zwei Jahren. Das entspricht ungefähr sechs Prozent der in der letzten ausführlichen Erhebung 1996 gezählten 4285 Vorsorgeeinrichtungen. Die Teilnehmerquote ist allerdings nur scheinbar klein, denn diese 259 Pensionskassen verwalteten Ende 1998 zusammen ein Vermögen von 225 Milliarden Franken, also weit über die Hälfte aller Vorsorgegelder in der Schweiz.

In der Umfrage werden die Vorsorgeeinrichtungen nach der Höhe ihres Vermögens unterschieden. Als kleine Kassen gelten solche mit Anlagen bis zu 100 Millionen Franken, mittlere weisen ein Vermögen bis zu 500 Millionen Franken auf, und die grossen liegen über dieser Marke. Gemessen an dieser Definition, haben von den schätzungsweise 100 grössten Vorsorgeeinrichtungen der Schweiz 60 an der Erhebung teilgenommen. Diese weisen 92 Prozent des Gesamtvermögens aller teilnehmenden Kassen auf. Die Erhebung gibt also insbesondere Auskunft über Anlagesituation und -verhalten der grösseren Vorsorgeeinrichtungen. «Das entspricht aber durchaus dem Ziel der Umfrage und verringert nicht ihre Aussagekraft», merkt dazu Bernd Herzog vom Bundesamt für Sozialversicherung an, einer der Experten, die an der Auswertung der Erhebung mitwirkten.

Bedeutender Indikator für die Leistungsfähigkeit einer Pensionskasse ist für Arbeitnehmer wie für Arbeitgeber die Performance: Erzielt die Kasse beispielsweise eine durchschnittliche Performance von vier Prozent über einen Zeitraum von 40 Beitragsjahren, resultiert aus einem konstanten Jahresbeitrag von 6000 Franken ein Endkapital von gut 570 000 Franken. Bringt es die Kasse – unter sonst gleichen Voraussetzungen – aber auf eine Performance von fünf Prozent, ergibt das an die 725 000 Franken, rechnet Reto Kuhn vor und merkt an: «Ist die Performance über mehrere Jahre höher als der technische Zins einer Vorsorgeeinrichtung und sind die Reserven ausreichend dotiert, können die Kassenverantwortlichen entweder eine Beitragssenkung oder eine Leistungsverbesserung in Erwägung ziehen oder eine Kombination von beidem.»

Kuhn verwaltet das Vermögen der Versicherungseinrichtung des Flugpersonals der Swissair in Höhe von 3,6 Milliarden Franken und hat für die Pensionskassenumfrage die Kommentierung der in der Vergangenheit erzielten und der erwarteten langfristigen Performance unternommen. Zudem analysiert er die historischen und zukünftigen strategischen und taktischen Über- und Untergewichtungen der verschiedenen Anlagekategorien (siehe Grafik «Anlagestrategie»).

Offensichtlich wussten die Pensionskassenverantwortlichen die hervorragenden Verhältnisse an den Kapitalmärkten in den vergangenen Jahren zu nutzen, liegt doch die durchschnittliche Performance von 1994 bis 1998 schätzungsweise leicht über neun Prozent. Die grosse Mehrzahl der Vorsorgeeinrichtungen konnte ein Plus von fünf bis acht Prozent sowie von acht bis elf Prozent erzielen (siehe Grafik «Gut gewirtschaftet» unten). Zum Vergleich: Der vom Bankhaus Pictet errechnete BVG-Index, der in der Branche als Messlatte gilt, weist für denselben Zeitraum eine Performance von 8,7 Prozent aus.

Der Grund für dieses gute Abschneiden: Die meisten Pensionskassen haben in der betrachteten Zeitperiode die beiden Anlagekategorien Aktien Schweiz und Aktien Ausland übergewichtet und wollen daran in den nächsten Jahren auch festhalten. Stark untergewichtet wurden hingegen die Schweizer Obligationen; dieser Trend dürfte ebenfalls anhalten.

Zwei Umfrageergebnisse scheinen Kuhn bei seiner Auswertung der Umfrage allerdings paradox. Die Vorsorgeeinrichtungen erwarten für die kommenden fünf Jahre nämlich eine vergleichsweise niedrige durchschnittliche Performance von leicht über sechs Prozent. Anderseits beabsichtigt eine grosse Mehrheit der Pensionskassen, ihren Aktienanteil stärker zu gewichten und so das Performancepotenzial zu erhöhen. Für den Geschäftsführer dieser Swissair-Pensionskasse stellt sich die Frage: «Muss daraus der Schluss gezogen werden, dass die grosse Mehrheit der Kassenverantwortlichen damit rechnet, dass nun einige Jahre der Börsenbaisse vor uns liegen?»
Von gut 80 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen wird die Performance regelmässig ermittelt.

Doch fast ein Fünftel dieser Kassen begnügt sich nach der Feststellung von Kuhn immer noch mit der Berechnung der direkten Rendite, wobei nur der Kapitalertrag in Relation zum investierten Kapital gesetzt wird. Bei einer korrekten Performancemessung müssen zusätzlich auch die Wertveränderungen der Kapitalanlagen einbezogen werden. Sonst wird der Leistungsausweis völlig verfälscht.

Einen erheblichen Einfluss auf die Performance einer Pensionskasse haben natürlich auch die Kosten. Christoph Oeschger, der als Geschäftsführer der Pensionskasse der ABB für Anlagen in Höhe von 4,7 Milliarden Franken verantwortlich zeichnet, hat im Rahmen der Erhebung die Kosten unter die Lupe genommen, die bei der externen Vermögensverwaltung von inländischen und ausländischen Wertschriften anfallen, wenn diese passiv gemanagt werden.

Wer passiv investiert, bildet den Index eines Landes, einer Region, einer Industrie oder die Struktur eines Marktes in seinem Portefeuille nach. «Ein grosser und unbestrittener Pluspunkt der verschiedenen Indexierungstechniken ist», so Oeschger, «dass dieser Anlagestil – im Gegensatz zur aktiven Vermögensverwaltung – mit deutlich tieferen Vermögensverwaltungskosten umgesetzt werden kann.» Die meisten aktiv verwalteten Anlagefonds etwa erzielen denn auch nicht zuletzt wegen der Kosten eine schlechtere Rendite als ihr Vergleichsindex. So ist es auch nicht verwunderlich, dass gemäss «Institutional Investor» heute etwa 30 Prozent aller Aktienanlagen von Pensionskassen passiv verwaltet werden, mehr als doppelt so viel wie vor fünf Jahren.

Damit favorisiert die Mehrheit der Pensionskassenverantwortlichen aber immer noch das aktive Anlagegeschäft. Auch in der Schweiz, wie die Umfrage zeigt. Die meisten der auf diese Frage antwortenden Vorsorgeeinrichtungen gab an, Mandate mit einem Volumen von unter 25 Millionen Franken für die passive Verwaltung zu vergeben. Was aber irgendwie nicht mit der Aussage zusammenpasst, dass die Honorare für diese Mandate zehn Basispunkte und weniger betragen. Denn nach Oeschgers Erfahrung sind solch niedrige Kostensätze nur für relativ grosse Beträge zu erzielen, das heisst mehrere Hundert Millionen. Für ihn liegt daher die Vermutung nahe, dass die angegebenen Honorare lediglich einen kleinen Teil der effektiv anfallenden Kosten ausmachen, oder – im Klartext ausgedrückt – die Verwalter der Pensionskassen machen sich, ihren Stiftungsräten und den Versicherten etwas vor, um hinsichtlich der Kosten in einem guten Licht dazustehen.

Die für Pensionskassen alles entscheidende Frage ist die nach der Sicherstellung der Rentenzahlungen; die Kennziffer dafür ist der Deckungsgrad (siehe Grafik «Sicherheit der Renten» ). Ein Deckungsgrad von 100 Prozent weist darauf hin, dass genügend Vermögen vorhanden ist, um die Verbindlichkeiten zu decken.
Zu unterscheiden ist zwischen privatrechtlichen und öffentlichen Vorsorgeeinrichtungen; bei letzteren garantiert das Gemeinwesen die Leistungen. So geben 65 Prozent der öffentlich-rechtlichen Kassen einen Deckungsgrad von unter 100 Prozent an. Hier hat der Steuerzahler im Endeffekt für die Pensionen geradezustehen. Die privatrechtlichen Vorsorgeeinrichtungen stehen dagegen gemäss Umfrage ausgezeichnet da. Bei zwei Dritteln der Kassen bewegt sich der Deckungsgrad zwischen 100 und 120 Prozent, bei fast 30 Prozent der Vorsorgeeinrichtungen über 120 Prozent.

Da gibt es für viele Kassen Handlungsbedarf. Denn sind die versicherungstechnischen Rückstellungen genügend dotiert und ausreichende Wertschwankungsreserven für die Kapitalanlagen gebildet, sollten Pensionskassen mit einem Deckungsgrad von über 110 Prozent die Überschüsse in Form von Leistungsverbesserungen oder Beitragssenkungen an Versicherte und Arbeitgeber weitergeben.

Die Pensionskasse bietet erhebliches Potenzial für Steuereinsparungen

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