Schön erfolgreich

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Bessere Stellenchancen und mehr Lohn: Wer gut aussieht, hats leichter auf dem Weg nach oben.

Das amerikanische Wirtschaftsmagazin «Fortune» hat eine Rangliste der 50 erfolgreichsten US-Managerinnen aufgestellt. Das ganze «Who is Who» von «Corporate America» befindet sich darunter – von Hewlett-Packard-CEO Carly Fiorina über Mary Meeker, Managing Director bei Morgan Stanley Dean Witter, bis zu Boeing-Finanzchefin Debby Hopkins. Die Galerie der Karrierefrauen zeigt: Die weiblichen Chefs sehen allesamt verdammt gut aus.

Kein Zufall, sagen Ökonomen. Wer gut aussieht, hats leichter auf dem Weg nach oben.

«Beauty-Effekt» nennt es der US-Wirtschaftsprofessor Daniel S. Hamermesh von der Universität Texas in Austin. Seit Jahren erforscht er die Wirkung von Attraktivität in der Wirtschaft. Seine Untersuchungen in den USA und Kanada zeigen: Gut aussehende Mitarbeiter streichen bis zu fünf Prozent mehr Lohn ein als die weniger anziehenden, aber gleich gut qualifizierten Kollegen.

Schönheit wird mit Geld und Karrierechancen belohnt. Diverse Studien belegen: Attraktivität ist ein Aktivposten, der sich kapitalisieren lässt – und manche Tür öffnet. «Bedeutende Führungspersönlichkeiten verdanken einen Teil ihrer Macht ihrer physischen Stärke und Körpergrösse», erklärt der renommierte Harvard-Ökonom John Kenneth Galbraith in seinem Buch «Anatomie der Macht». Ökonom Bruno S. Frey, Professor am Institut für empirische Wirtschaftsforschung der Uni Zürich, bestätigt: «Körpergrösse ist positiv für die Karriere.»

In der Schweiz ist der Beauty-Bonus noch kaum erforscht. Anders im Ausland. Eine Mitte der Neunzigerjahre durchgeführte britisch-amerikanische Untersuchung der Beratungsfirma Robert Half & Associates in Zusammenarbeit mit der US-Uni Syracuse hat 1300 Personalchefs der grössten Unternehmen beider Länder befragt. 93 Prozent der britischen und 96 Prozent der amerikanischen Human-Resources-Profis sind überzeugt, dass attraktive Stellenbewerber eher den Zuschlag erhalten und leichter auf die berufliche Überholspur wechseln. Zum gleichen Befund kommt eine US-Untersuchung über das Einkommen von 630 MBA-Absolventen. Danach sind es die gut aussehenden Studentinnen und Studenten, die im Lauf ihrer Karriere höhere Gehälter einstreichen.

Die Beaus und Belles zünden den Karriereturbo – nicht weil sie mehr leisten. Sie wirken einfach besser. Und sie können andere leichter überzeugen und für sich einnehmen. Von Kindesbeinen an geniessen Schönlinge Vorzugsbehandlung. Das niedliche Baby bekommt mehr Zuwendung vom Pflegepersonal, dem hübschen Kind wird leichter verziehen, und in der Schule werden seine Leistungen unbewusst positiver beurteilt. Attraktive Menschen werden netter behandelt, sie schliessen leichter Freundschaften und sind bei der Partnerwahl begehrt. Die weniger anziehenden Gespielen werden ignoriert, sitzen gelassen, abgesägt.

«Schönheit ist soziale Macht», resümiert Bernd Guggenberger, Professor für politische Wissenschaft an der Universität Berlin. «Sie vervielfacht das soziale Chancenangebot.» Deutsche Forscher haben herausgefunden, dass attraktive Studenten überdurchschnittlich oft ein Auslandsemester absolvieren – nicht weil sie unternehmenslustiger sind, sie kennen einfach mehr Leute, die ihnen Kontakte vermitteln.

Leute mit flotter Fassade haben zahlreiche Wettbewerbsvorteile. Wer wie sie dauernd positive Zuwendung bekommt, erhält mehr Anregungen. Und wird selbstsicherer. Aktivposten, die sich im Job vermarkten lassen.

Harvard-Psychologin Nancy Etcoff hat die Winner-Merkmale der weiblichen und männlichen Beautys untersucht: Schöne Frauen haben ausdrucksstarke Augen, eine kleine Nase, volle Lippen und glänzendes Haar. Schöne Männer sind gross gewachsen, haben markante Augenlinien, starke Kiefermuskeln und eine ausgeprägte Brustmuskulatur. Schönheit ist universell, lautet die provokative These von Etcoff. Ein biologisches Inserat, das Gesundheit, Fruchtbarkeit und Energie ausdrückt. Wer den Schönen nachjagt, hat Fortpflanzung und Arterhaltung im Sinn.

Auch im Job gelten die Schönen als potent. Auf den ersten Blick wirken sie kompetenter und intelligenter als die unattraktiven Konkurrenten. Und sie kommen besser an – bei den Kollegen, bei den Chefs und den Kunden. US-Ökonom Hamermesh hat in einer Studie bei holländischen Werbeagenturen gezeigt, dass Firmen mit einem gut aussehenden Kader höhere Umsätze generieren.

Bei gleichen Qualifikationen haben gut Aussehende die Nase vorn. «Hübsche Menschen machen gewisse Karriereschritte leichter», beobachtet Headhunter Fredy Isler von Spencer Stuart. Unter Personalchefs kursiert die Faustregel: «Bartträger sind keine Führungskräfte.»

Höchstens bei Chefinnen kann Schönheit zum Karrierestolperstein werden. Dann nämlich, wenn attraktive Frauen höhere Managementpositionen anstreben. Laut Forschern der Business School der US-Uni Columbia sind gut aussehende Frauen zwar für Bürojobs begehrt, bei Beförderungen in Topkaderstellen aber werden sie aussortiert. Grund: Attraktive Frauen haben feminine, erotische Züge – und gelten damit als ungeeignet für die Power-Jobs im Management.

Dafür setzen immer mehr Männer voll auf die Karte Schönheit. Sie haben erkannt: Im Gerangel um die Poleposition ist Attraktivität ein «selling point». Die meisten greifen in den Crèmetopf der Frau, um ihren Typ aufzupeppen. Andere setzen auf spezielle Männerkosmetiklinien. Zum Outfit des Möchtegerns gehört auch das edle Tuch. «Männer gönnen sich mehr», stellt Senka Stütz, Werbeleiterin bei Strellson, fest. Das Männermode-Label verzeichnet jährlich ein zweistelliges Umsatzwachstum.

Selbst der Gang zum Schönheitschirurgen ist kein Tabu mehr. «Jüngere Männer sind forscher und perfektionistischer als frühere Generationen», sagt der Zürcher Schönheitschirurg Enrique Steiger.

Seit Anfang der Neunzigerjahre boomt die Branche. Schätzungen beziffern die Zahl der Gesichtsliftings und Lippenkorrekturen in der Schweiz auf jährlich 10 000. 8000 Schweizerinnen und Schweizer kaufen sich pro Jahr eine Augenlidkorrektur, 24000 lassen sich überflüssige Fettpolster absaugen.

«Die Nachfrage steigt stark», sagt Christoph Wolfensberger, Schönheitschirurg in Zürich. Für ein Gesichtslifting werden zwischen 10 000 und 20 000 Franken hingeblättert – nicht immer freiwillig. «In gewissen Positionen gibt es einen Zwang, gut auszusehen», sagt Wolfensberger, der Juristen, Architekten und Kaderleute zu seiner Klientel zählt.

Und so wird für die Schönheit geschnitten und gelitten. «Vor allem ältere Manager achten auf ihre Ernährung und treiben Sport», sagt Catharina Maulbecker vom Basler Gesundheitsdienstleister McWellness. Manager mit sportlicher Figur verströmen Energie und Durchhaltewillen. «In den USA gelten Dicke als disziplinlos», sagt Ökonom Frey.

«Aussehen unterstützt die Karriereplanung», bestätigt Annette Pfister vom Image-Pool in Zürich. Bei der Stilberaterin suchen Berufstätige verschiedenster Couleur Unterstützung – vom ehemaligen Studenten über die Wiedereinsteigerin bis zum gestandenen Manager. «Das Bewusstsein für den richtigen Look steigt», sagt Pfister.

Rund 1000 Imageberaterinnen bieten in der Schweiz Schützenhilfe im lebenslangen kosmetischen Stellungskrieg. «Im Businessbereich nimmt die Nachfrage stark zu», sagt Anita Brandenberger, Vorstandsmitglied im Fachverband Schweizer Farb- und Modestilberater in Bern, in dem 250 Branchenfrauen zusammengeschlossen sind. «Heute will man wissen, wie man wirkt.»

Um sich schön zu trimmen, greifen Herr und Frau Schweizer tief in die Tasche. 1999 gingen für 1,4 Milliarden Franken Shampoos, Salben und Parfüms über den Ladentisch. Gemäss Verbrauchserhebung des Bundesamtes für Statistik belastet die Schönheitspflege das hiesige Haushaltsbudget stärker als die Ausgaben für Pauschalreisen oder Zahnarztrechnungen.

Im «Survival of the Fittest» machen die gut Aussehenden das Rennen. Je weniger über die Person bekannt ist, desto wichtiger wird das Äussere. «Heute machen Männer von ihrem gesamten Arsenal Gebrauch, um die Konkurrenz aus dem Weg zu räumen, einschliesslich Aktenkoffer und Attraktivität», schreibt Feministin Nancy Friday in ihrem Bestseller «Die Macht der Schönheit». Damit sind sie nicht allein. Mit dem weiblichen Vormarsch am Arbeitsplatz hat sich die Machtkonstellation verschoben. «Der harte Wettbewerb um Jobs hat dazu geführt, dass Frauen und Männer vermehrt das Aussehen einsetzen», sagt Schönheitschirurg Steiger.

Doch darüber redet keiner. Dass schöne Menschen Privilegien geniessen, ist in der modernen Leistungsgesellschaft eines der letzten grossen Tabus. Die Krux: Schönheit verschafft «unverdiente» Vorteile, und sie lässt sich nicht umverteilen. «Zu den wenigen heutzutage noch goutierten Formen der Diskriminierung zählt die Benachteiligung überdurchschnittlich kleiner Menschen, während gross gewachsene Personen mit einem Sympathiebonus bedacht werden», resümiert Ökonom Galbraith.

Schönheit verhilft zu zusätzlichem Erfolg, wenn die übrigen Faktoren stimmen. Die Worte, mit denen Ziehvater Helmut Maucher seinen Kronprinzen Peter Brabeck auf dem Chefsessel von Nestlé inthronisierte, spricht Bände: «Er ist nicht nur gescheit und ein guter Kommunikator; er sieht auch noch gut aus.»

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