Nur die Besten ins Körbchen

Nur die Besten ins Körbchen

Warnung vor Ihrem Banker: Das Befolgen seiner Ratschläge kann Sie viel Geld kosten – solange er Ihnen die hauseigenen Fonds ins Depot legt statt die besten der Welt. Schön, dass sich jetzt die Credit Suisse Private Banking auf den Kundennutzen besinnt und für die Anleger eine universelle Fonds-Datenbank ins Internet stellt.

Drei Jahre ist’s her, da glänzten die Äuglein des Anlageberaters: Hatte ihm doch Frau Muster 300 000 Franken anvertraut, und es hatte ihn nur zwei, drei treuherzige Blicke gekostet, ihr für den ganzen Betrag hauseigene Fonds ins Depot zu packen. An die nette Provision denkt er noch heute gern. Doch Frau Muster wird ihrer Anlage nicht mehr froh, seit sie einen unabhängigen Fondsspezialisten beigezogen hat. Der attestierte zwar dem Kollegen von der Bank, er habe für ihr Vermögen wohl eine sinnvolle Aufteilung vorgenommen (siehe «Depot für Frau Muster»). Jedoch seien ihr in den vergangenen drei Jahren über 50 000 Franken Ertrag entgangen, weil der Anlageberater ihr nicht die besten, sondern – wie das üblich sei – die hauseigenen Fonds verkauft habe. bilanz machte, zusammen mit den Fondsexperten der Bevag Better Value AG, die Probe aufs Exempel. Frau Musters Vermögensaufteilung diente als Grundlage für einen Performancevergleich zwischen den entsprechenden Fondsdepots von Gross- und Kantonalbanken, denen schliesslich ein Depot mit den gemäss Standard & Poor’s Micropal besten Fonds der Jahre 1996 bis 1998 gegenübergestellt wurde.

Testergebnis: Frau Musters Unbehagen ist mehr als berechtigt. Mit den Siegerfonds (siehe «Der beste Geldgenerator») lag in nur drei Jahren fast eine Verdoppelung des Vermögens von 300 000 auf 599 095 Franken drin. In diesem Performancevergleich sind allerdings die oft erheblichen Kosten für erfolgreiches Fondspicking nicht mitgerechnet.
Dennoch können die Hausbanken mit ihrer Politik, ausschliesslich auf die eigenen Fonds zu setzen, bei weitem nicht mithalten. Frau Musters Depot wäre heute bei der Credit Suisse 525 582 Franken wert. Mit über 70 000 Franken ist der Rückstand auf die Top-Fonds beträchtlich. Am schlechtesten schnitt Frau Musters Depot bei der alten UBS ab, die noch einmal 20 000 Franken hinter der CS herhinkt. Im Mittelfeld liegen die Kantonalbanken und der alte Bankverein (siehe Fondsdepots).

Der Bilanz-Vergleich zeigt deutlich, dass die Banken umdenken müssen. Auch wenn sie ihren Kunden den Kauf bankfremder Fonds nicht geradezu verbieten, signalisieren sie dem Anleger doch gern ihr Missvergnügen – und schrecken ihn mit Ausgabeaufschlägen von fünf und mehr Prozent sowie hohen Courtagen ab.
Den Verantwortlichen der Credit Suisse Private Banking (CSPB) ist der Unsinn dieser prohibitiven Politik nicht verborgen geblieben. Obwohl sie von den Anbietern mit einer umfassenden Fondspalette noch am besten abschnitt, will der Privatbankenarm der Credit-Suisse-Gruppe den Kundennutzen vermehrt vor den Banknutzen stellen. Noch im ersten Quartal 1999 plant die CS-Tochter mit dem FundLab eine umfassende Fondsinformationsdatenbank auf dem Internet, wie bilanz erfahren hat. Für Schweizer Verhältnisse ist dieser Schritt revolutionär, denn noch hat es keine Grossbank gewagt, die eigene Fondsgesellschaft mit bankfremden Fonds zu konkurrenzieren. Gegenwärtig laufen mit zwanzig bis dreissig fremden Fondsgesellschaften Verhandlungen über den Vertrieb. FundLab will gezielt die besten Fonds in verschiedenen Kategorien auswählen. Ein für dieses Projekt zusammengestelltes Fund-Research-Team soll das noch nicht vollumfänglich feststehende Fondsuniversum quantitativ und vor allem qualitativ untersuchen und bewerten. Dank Internet-Technologie steht das ausgefeilte Angebot auch der Kundschaft der anderen Geschäftseinheiten der Credit-Suisse-Gruppe und Nichtkunden offen. Noch in diesem Jahr sollen Fonds via CSPB übers Netz gekauft werden können.

Dass die CSPB Nägel mit Köpfen machen will, zeigt die Tatsache, dass sie am Markt gezielt erfahrene Fondspicker abgeworben hat – unter anderem bei der Cantrade Privatbank, die Mitte März 1997 mit ihrem Cantrade Fund Radar auf den Markt kam und damit nicht nur in der Fondsbranche, sondern insbesondere auch im eigenen Konzern Furore machte. Die Cantrade gehört nämlich zur UBS, die selber über eine breite Fondspalette verfügt. Mit Hilfe des Fund Radar können die Anlageexperten der Cantrade theoretisch das weltweite Fondsuniversum analysieren und nach den Kriteriengruppen Qualität, Rendite sowie Risiko alle Fonds vergleichen und die besten herausfiltern.
Innerhalb weniger Tage sah sich die UBS damals mit einer Vielzahl von Kundenanfragen konfrontiert, die nicht nur eine Fund-Radar-Auswertung ihrer eigenen UBS-Fonds wünschten, sondern auch Vergleiche mit anderen Fonds derselben Kategorie von Drittanbietern. Damit geriet die UBS ins Dilemma, denn damals waren Emerging-Markets-Fonds en vogue, bei denen die UBS mit ihrer Angebotspalette gegenüber den Mitbewerbern hinsichtlich Performance schlicht abfiel. An die Cantrade-Verantwortlichen erging die strikte Weisung, für den Fund Radar nicht mehr öffentlich zu werben. Eine der Begründungen: Die Tochterbank habe Dutzende von internen Weisungen übertreten.

Die Diskussionen zwischen UBS und Cantrade waren in den folgenden Monaten hitzig. Doch dann durfte der Cantrade Fund Radar doch wieder vermarktet werden. Auf Dauer konnte man sich bei der Mutter nämlich den Argumenten der Tochter nicht entziehen: Die Kunden verlangen die besten Fondsprodukte, sonst wandern sie zur Konkurrenz ab. Auch könne man, mit ausschliesslich UBS-Fonds im Angebot, die Klientel dann gleich zur Muttergesellschaft schicken. Das sei für die Kunden nämlich preisgünstiger.
Seinerzeitige Überlegungen in der Cantrade-Geschäftsleitung, ob und inwieweit der Fund Radar auch Dritten zugänglich gemacht werden solle, sind mittlerweile hinfällig. «Wir bieten keine Beratungsdienstleistung im Fondsbereich an», heisst es heute dort. Dieser Service werde einzig den Cantrade-Kunden als Bestandteil der Vermögensverwaltung offeriert.
Ganz anders bei den etablierten Vermögensverwaltern und Fonds-Brokern, die teilweise schon länger am Markt sind. Sie stellen ihre Dienstleistung oft Dritten zur Verfügung – und als Eintrittsticket für neue, Kunden manchmal sogar gratis, wie eine bilanz-Umfrage bei Anbietern zeigt (siehe TABELLE: Die Fonds-Picker auf einen Blick, alle mit Büros in Zürich).

Fondsgestützte vermögensverwaltung» betreibt die Zürcher Bevag Better Value AG. Sie lässt die Option des Einsatzes anderer Anlageinstrumente also offen. Zu den Auswahlkriterien gibt Bevag-Partner Rolf Maurer Stichworte: Erfahrung und Ausbildung des Fondsmanagements, Anlageprozess, Performance, Innovationsfähigkeit, Aufbau des Research, Kosten, Transparenz, Informationspolitik, Fondsgrösse sowie nicht zuletzt die rechtliche Struktur des Anlagefonds (siehe «Schlagen Sie dem Fiskus ein Schnippchen»). Als Spezialität bietet die Bevag zudem Fondsberatung an. Dabei kann der Kunde einen Pauschalvertrag abschliessen, der ihn zum Bezug einer bestimmten Anzahl Fondsanalysen berechtigt. Bei Einzelanfragen wird ein Stundenhonorar erhoben.
Bei der BFW Treuhand AG mit Sitz in Zürich können sich die Kunden erst einmal gratis beraten lassen, wie Beat Frischknecht erklärt. Für Beratungsdienstleistungen greift Frischknecht auf eine Palette von rund 500 Fonds zurück, die er mit dem eigens entwickelten Fund Navigator nach diversen quantitativen und qualitativen Kriterien regelmässig verfolgt.

Die Brunner Invest AG in Zürich hat sich auf die Auswahl von Aktienfonds spezialisiert. «Unter anderem analysieren wir auch Hedge-Fonds», erklärt Inhaber Erwin Brunner, der vom Einsatz dieser Instrumente überzeugt ist. Da Spezialfonds in der Regel einen hohen Mindesteinsatz verlangen, setzt Brunner für Kunden mit kleineren Vermögen sogenannte Funds of Funds ein. Diese bestehen in der Regel aus zehn nach regionalen Kriterien ausgewählten Subfonds. Zur Auswahl stehen fünf Varianten: zwei, die weltweit investieren, und je einer mit dem Fokus auf Asien, Europa und die Emerging Markets. Reine Beratungsdienstleistungen bietet Brunner hingegen nicht an.
Wer solche sucht, ist beim in Zürich domizilierten Fondcenter willkommen. Die Tochter der 1993 gegründeten Vermögensverwaltungsgesellschaft Fondvest führt eine aus 4250 Fonds bestehende Datenbank von rund 650 Fondsgesellschaften, die regelmässig nach diversen Kriterien durchleuchtet werden. Enthalten sind unter anderem sämtliche in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Fonds.

Die ebenfalls in Zürich ansässige Global Invest AG stellt ihre Dienstleistungen vor allem institutionellen Anlegern zur Verfügung und untersucht als Spezialität auch die zahlreichen Anlagestiftungen, die vor allem kleineren Pensionskassen den Anlageprozess abnehmen.
Die Qual der Wahl des geeigneten Fonds erleichtert die Zürcher JML Jürg Lattmann mit ihrem JML World Invest. Beim Pionier in sachen Fondsberatung kann der Anleger derzeit unter rund 600 Fonds von 13 in- und ausländischen Fondsgesellschaften auswählen. Eine weitere Entscheidungshilfe erhält der Kunde durch eine Empfehlungsliste von etwa 40 Fonds, die alle wichtigen Anlagekategorien abdecken.
Das VZ Vermögenszentrum in Zürich erhebt für die Vermögensverwaltung eine degressive Gebühr in Prozent des durchschnittlich verwalteten Vermögens. Hinzu kommt eine Gewinnbeteiligung von einem Viertel des die Zielrendite übersteigenden Teils, maximal aber zwei Prozent. «Ist mit dem Kunden eine Zielrendite von beispielsweise 10 Prozent vereinbart, erzielen wir aber 16 Prozent, so erhält das VZ von den 6 Prozent Überschussrendite 1,5 Prozent», erläutert Max Bolanz von der VZ-Geschäftsführung.
«Wir setzen die Fondsselektion ausschliesslich zur Optimierung der von uns in Verwaltungsaufträgen bewirtschafteten Kundendepots ein», betont Max Bolanz. Die Begründung: «Wir sind keine Informationslieferanten, sondern Vermögensverwalter.»

Beim VZ erfolgt die Auswahl der besten Fonds pro Marktsegment in einem fünfstufigen Selektionsprozess. Zunächst wird das Fondsangebot sämtlicher in- und ausländischer Fonds der gewünschten Kategorie erfasst. Anschliessend selektieren die Berater jene Fonds, die über verschiedene Zeiträume bei der Performance im obersten Viertel ihrer Kategorie rangieren. Dann erfolgt eine Ausscheidung nach sogenannten K.o.-Kriterien wie Liquidität, Mindestgrösse oder Handelbarkeit. Anhand von Risiko- und Renditekennziffern sowie mit der Einordnung in die spezielle VZ-Fondsmatrix werden nun die drei Spitzenfonds eines Sektors ermittelt. Den besten Fonds der entsprechenden Kategorie wählen die VZ-Experten dann nach Gesprächen mit dem Fondsmanagement und gestützt auf externe Fonds-Ratings aus. Mit ausgeklügelten Auswahlprozessen, die sich bei weitem nicht nur an der Performance der Fonds ausrichten, bemühen sich also die Fondspicker, aus dem hiesigen Fondsdschungel die geeigneten Produkte herauszufiltern. Nur schon in der Schweiz ist die Zahl der zugelassenen Fonds innert acht Jahren von 450 auf 1913 gestiegen. Weltweit sind gar über 45 000 Fonds von Hunderten von Anbietern auf dem Markt. Doch während die Fonds-Broker den Auswahlprozess erleichtern, haben sie das Problem der unübersichtlichen Gebührenstrukturen nicht gelöst, wie die Tabelle unten auf dieser Seite zeigt. Auch die depotführenden Banken tragen mit ihren hohen und oft unübersichtlichen Courtageansätzen das Ihrige zur Misere bei.

Bei einigen Fondspickern fallen beim Kauf, Verkauf und bei Umschichtungen Courtagen und der Stempel an. Bei anderen sind Ausgabeaufschläge zuhanden der Fondsgesellschaften bis zu fünf Prozent zu entrichten. Bei JML beträgt die einmalige Eintrittsgebühr fünf Prozent der angelegten Summe, dafür fallen beim Fondswechsel dann keine Courtagen mehr an. Beim Fondskauf im Rahmen eines Vermögensverwaltungsmandates via VZ berappt der Kunde in der Regel nur die 0,5 Prozent des Ausgabeaufschlages, die als Grundgebühr ohnehin bei der Fondsverwaltung verbleiben. «Durch spezielle Vereinbarungen mit den Fondsgesellschaften und einen Verzicht auf Retrozessionen fallen diese Aufschläge bei uns gar nicht oder nur in minimaler Höhe an», so Max Bolanz.

Ausgabeaufschläge im bereich von fünf Prozent sind insbesondere bei ausländischen Fondsanbietern gang und gäbe. Diese Kosten wollen mit der Performance erst wettgemacht werden. Grossabnehmern wie Banken und Vermögensverwaltern räumen diese Anbieter aber so grösszügige Rabatte ein, dass diese je nach Fondsgesellschaft und Höhe des Betrages vernachlässigbar werden. So kommt es, dass Kunden bei Fonds-Shops oft billiger fahren, als wenn sie direkt bei der Gesellschaft Anteile zeichnen.
Grundsätzlich gilt: Bei guten Kunden sind die Gebühren oft Verhandlungssache. Dies um so mehr, als die CSPB mit ihrem neuen Marktauftritt die Konkurrenz unter den derzeit 76 mit einer Fondsvertriebsbewilligung ausgestatteten Firmen nochmals gehöri ver- schärfen wird. «Angesichts des grossen Wettbewerbs werden die Ausgabekommissionen und die Retrozessionen an die Vermögensverwalter und Broker unter Druck kommen», sagt Rainer Landert vom Fondcenter. Er erwartet, dass künftig vermehrt Beratungsgebühren erhoben werden. Die zahlreichen Einmannbetriebe dürften es noch aus einem anderen Grund inskünftig schwerer haben. Vor allem die ausländischen Fondsgesellschaften geschäften lieber mit Brokern, die ihnen Volumen bringen. «Damit wir mit unserer Kapazität einen optimalen Service bieten können, bevorzugen wir Partner, die ab fünf Millionen US-Dollar in unseren Fonds angelegt haben», sagt etwa Gianni Valsecchi von Fleming Asset Management.

Fazit: Der Anleger ist immer weniger nur auf das Angebot seiner Hausbank angewiesen. Wer die Wahlmöglichkeiten nicht als Qual empfinden will, wendet sich an einen professionellen Fondspicker, der eine vernünftige Gebührenpolitik betreibt. Ist schon ein Wertschriftendepot vorhanden, können bei etlichen Fonds-Shops nur die Beratungsdienstleistungen im Fondsbereich zugekauft werden. Denn so angenehm es ist, mehr aus seinem Geld zu machen: Wer sich allzusehr verzettelt – Fonds über einen Fonds-Shop, Aktien- und Obligationendepot bei der Hausbank, Hypothek bei der Raiffeisenbank -, läuft auch Gefahr, den Überblick zu verlieren.

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