Neue Eiszeit

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Der Fall des kleinen Flüchtlings Elián gefährdet die vorsichtige Öffnung der USA gegenüber Kuba.

Die Demonstranten waren in Kampflaune: Hunderte Exilkubaner zogen vergangene Woche durch die Strassen von Miami, blockierten den Hafen und den Flughafen und provozierten wüste Schlägereien mit der lokalen Polizei.
Die wütende Masse fand Verständnis von ungewohnter Seite: Republikanische Politiker, sonst bei jeder Gelegenheit gegen die Chaoten an Protestveranstaltungen wetternd, solidarisierten sich mit den Demonstranten in Florida. Grund für die Wut der Exilkubaner war ein Entscheid der US-Einwanderungsbehörde. Diese hatte beschlossen, dass der sechsjährige Elián Gonzalez zurück zu seinem Vater nach Kuba muss. Elián war am 25. November als Bootsflüchtling von der US-Küstenwache geborgen worden. Seine Mutter fand beim Versuch, aus Kuba zu fliehen, den Tod. Der demokratische Präsident Bill Clinton begrüsste den Entscheid der Einwanderungsbeamten.

Die Republikaner jedoch machten den Fall zur Grundsatzfrage. Jeb Bush, Gouverneur von Florida, forderte Clinton auf, den Entscheid zu widerrufen. Der Abgeordnete Dan Burton leitete juristische Mätzchen ein, um die Auslieferung Eliáns an die «kommunistische Diktatur» zu verzögern. Die Präsidentschaftskandidaten John McCain und George W. Bush beschworen einmütig, allein die USA, «der Hort der Freiheit», könne der angemessene Aufenthaltsort des Knaben sein.

Der Fall Elián hat die in den letzten Jahren brüchig gewordene Koalition zwischen den amerikanischen Exilkubanern und der Republikanischen Partei auf einen Schlag gekittet. Die wieder erwachte Freundschaft bedeutet für die in jüngster Zeit begonnene Öffnung gegenüber Kuba wenig Gutes. Bis weit in die Neunzigerjahre hatte die enge ideologische Verbindung zwischen den Exilkubanern und den Hardlinern der Republikanischen Partei jeglichen Kontakt zum kommunistischen Intimfeind vor der Haustür verhindert.

Clinton, der eine Lockerung des vierzig Jahre alten Embargos gegen Kuba schon bei seinem Amtsantritt 1992 verkündete, biss auf Granit. Nach Ansicht der Demokraten bringt wirtschaftlicher Pragmatismus Castros Regime am ehesten zu Reformen.

Doch erst als 1998 auch republikanische Schlüsselfiguren wie John Warner, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses im US-Senat, für eine Öffnung plädierten, kam Bewegung in das Verhältnis der beiden Staaten. Gedrängt von ein-flussreichen Lobbys aus der Landwirtschaft, die sich einen neuen Absatzmarkt erhofft, oder der Tourismusindustrie, kippten immer mehr Republikaner.

So wurde 1999 zum Jahr der Annäherung. Direktflüge zwischen den Ländern wurden möglich, Geldtransfers erleichtert, der Import von Lebensmitteln und Dünger erlaubt. Als Höhepunkt spielten US-Basketballer zweimal gegen die kubanische Nationalmannschaft.

Mit dem Fall Elián wurde die Tür, die sich einen Spalt weit geöffnet hatte, wieder zugeknallt. Kuba ist für die Republikaner wieder das, was es immer war: ein Reich des Bösen. Dass Castro in Havanna Massenproteste für die Rückkehr des Buben inszenierte, während seine Politik immer mehr Kubaner von der Insel treibt, zeigt vielen Amerikanern, dass dem 73-jährigen Altrevolutionär noch immer nicht zu trauen ist.

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