Matt Stone und Trey Parker: Die Lästermäuler Hollywoods

South Park

Matt Stone und Trey Parker, die Schöpfer des Kulttrickfilms «South Park», sind genauso schräg und schlüpfrig wie ihr Werk.»

Die beiden Herren haben Prinzipien. Trey Parker und Matt Stone, Schöpfer des Kulttrickfilms «South Park», führen sich auf wie zwei trotzige Kinder, die ihr Lieblingsspielzeug mit niemandem teilen mögen. «Hollywood wollte, dass wir fürs Kino eine zahmere Version unserer Serie drehen», sagt Parker, «so einen Scheissvorschlag haben wir natürlich abgelehnt. Kategorisch.»

«South Park» und seine Schöpfer sind für den schrägen und schlüpfrig pubertären Witz ebenso berühmt wie berüchtigt. Und das wird so bleiben. Denn Parker und Stone, unbestritten Hollywoods grösste Lästermäuler, sind sich mit ihrer Kinoversion von «South Park» treu geblieben. Die Anarchokomik ihrer Trickfilmhelden Cartman, Stan, Kyle und Kenny wurde nicht zu Gunsten einer zahmeren Familienversion und besserer Einspielergebnisse geopfert. «Wir wollten schlicht unsere Integrität bewahren», sagt Stone. Das Resultat ist nun auch in den Schweizer Kinos zu sehen.

Die beiden Trickfilmkünstler haben alle «South Park»-Shows und den Kinofilm «Bigger, Longer & Uncut» im Alleingang gedreht. Als TV-Trickfilmserie hatte «South Park» in den USA im August 1997 Premiere und wurde sofort zum Insider-Tipp. Was als unschuldige Abenteuer von vier Jungs in einer Kleinstadt getarnt wird, ist in Tat und Wahrheit bissige Sozialsatire. In «South Park» hat Jesus eine TV-Talkshow, wollen die Amerikaner die Kanadier ausrotten, und ein Stück Scheisse gibt zur Weihnachtszeit den Menschen wertvolle Ratschläge.

Gerade weil Stone und Parker ihre kreative Kontrolle nicht aufgeben wollten, ist der Kinofilm «Bigger, Longer & Uncut» «South-Park»-Komik vom Feinsten. Als biederes Musical getarnt, teilt der Film kompromisslose Seitenhiebe gegen Hollywood, seine Stars, Bill Gates und religiösen Fanatismus aus.

Eigentlich wollten Parker und Stone ihr Kinostück «South Park: All Hell Breakes Loose» – Jetzt ist die Hölle los – nennen. Schliesslich handelt das Werk hauptsächlich davon, wie der Teufel und Saddam Hussein eine schwule Liebesbeziehung pflegen. «Wir mochten den Titel, denn er beschreibt perfekt, wovon der Film handelt.»

Aber die Motion Picture Association of America (MPAA), die über die moralische Verträglichkeit von Hollywoods Filmen entscheidet, hat die religiöse Anspielung im Titel verboten. «Eine Begründung für diesen Entscheid bekamen wir natürlich keine», ärgert sich Stone. Obendrein legten die Moralwächter von der MPAA Stone und Parker nahe, mehrere Szenen zu ändern, damit der «South Park»-Film nicht in die Kategorie Softpornos gesteckt werde.

Das machte die zwei erst recht wütend. «Wir beschlossen, den Titel und die von der MPAA kritisierten Szenen noch schlüpfriger zu machen als zuvor», sagt Parker, «wir wollten die alten Fürze nur noch mehr schockieren.» Das Resultat ist im Kino zu sehen: Zum Beispiel wenn Cartman, Kyle, Stan und Kenny auf der Suche nach einer Definition für das Wort Klitoris beim Surfen auf dem Internet auf eine explizite deutsche Pornoseite stossen, wo Fäkalien die Hauptrolle spielen. «Zu unserem Erstaunen fand die MPAA jedoch alle unsere Änderungen akzeptabel», sagt Parker. Das Trickfilmer-Duo freut sich darüber mit demselben pubertären Schalk, der seinen Trickfilmfiguren eigen ist. «Sogar die sexuelle Anspielung im neuen Titel haben sie nicht kapiert.»

Die «South Park»-Schöpfer zelebrieren gerne und öffentlichkeitswirksam ihr Rebellen-Image. Dabei waren die beiden noch vor nicht allzu langer Zeit durchaus empfänglich für Hollywoods Glanz und Gloria.

Als vor zweieinhalb Jahren «South Park» über Nacht zu einem Grosserfolg wurde, genoss das Duo seine plötzliche Popularität anfänglich noch ungebrochen. Parker und Stone waren damals auf den Covers von Magazinen wie «Rolling Stone» und «Newsweek» zu sehen, und die Einschaltquoten für die Trickfilmserie stiegen unentwegt. «Leute, die sich South Park sonst nie ansehen würden, schalteten sich plötzlich ein», erinnert sich Parker. «Und dann wurden wir zu all diesen schicken Hollywood-Partys eingeladen.»

Die «South Park»-Köpfe waren damit unversehens Teil einer Szene geworden, über die sie sich bisher lustig gemacht hatten. Doch das dauerte nicht lange: «Wir fühlten uns bald als Heuchler», sagt Stone. Die beiden schafften Abhilfe: Sie machten sich in ihrer Serie über die Hollywood-Besessenheit der Amerikaner lustig und griffen einige Stars satirisch an. «Wir nehmen die Baldwin-Brüder oder Brooke Shields auf die Schippe, um Symbole umzustossen.» Das Unvermeidliche trat ein: Der Rummel um «South Park» flaute ab, die Einschaltquoten gingen zurück. Und die Einladungen an Hollywood-Partys wurden spärlicher.

Heute befinden sich die «South Park»-Macher wieder dort, wo es ihnen am wohlsten ist: am Rande der feinen Hollywood-Gesellschaft. «Da gehören wir definitiv hin», versichern Stone und Parker unisono.

Von ihrer Aussenseiterposition aus wollen Stone und Parker ein halbes Jahr nach der US-Premiere von «South Park: Bigger, Longer & Uncut» noch einmal subversiv Stunk machen. Die beiden Querschläger legen sich mit der Academy of Motion Picture, Arts and Sciences an, die im März die Oscars vergeben wird. «Wir werden der Akademie den trashigen Titelsong unseres Filmes Blame Canada als Kandidaten für den besten Song unterbreiten», sagt Stone. Der Song, mit dem Parker und Stone Kanada die Schuld für alle Probleme dieser Welt in die Schuhe schieben, wird den Herren Hollywoods sicher sauer aufstossen.

«South Park», ob Film oder TV-Serie, basiert auf der Erfahrungswelt seiner beiden Schöpfer. Eine Folge des Erfolgs ist, dass Stone und Parker wegen der vielen Arbeit in letzter Zeit kaum mehr neue Eindrücke sammeln konnten. «Doch das macht unsere Arbeit vielleicht nur noch besser», witzeln die beiden. «South Park ist deshalb so infantil, weil wir seit unserer Pubertät kein Privatleben mehr hatten.»

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