Karriere-Kick für Manager

Karriere-Kick

Drei Buchstaben spielen im Berufsleben eine tragende Rolle: MBA. Wer einen Abschluss als Master of Business Administration vorweisen kann, hat auf dem Arbeitsmarkt hervorragende Chancen.

Die zwei Jahre dauernde Ausbildung brachte ihn ans Limit. «Täglich 18 Stunden büffeln», erinnert sich der 34-jährige Glarner Martin Kaspar ans Studium an der London Business School. «Bis elf Uhr nachts arbeitete ich in der Bibliothek, dann noch eine Stunde in meinem Hotelzimmer.» Um sechs Uhr morgens gings wieder los. Heute leitet der Marketing-Mann die Abteilung E-Commerce-Entwicklung bei der Swissair.

Für den MBA (Master of Business Administration) muss man rackern. «Es war das intensivste Jahr meines Lebens», sagt der Österreicher Rainer Faistauer, Headhunter bei der Firma TMP Worldwide in Zürich. Die MBA-Ausbildung am Insead in Fontainebleau war Plackerei: «Der Druck war enorm.»

Der Leistungsmarathon lohnt sich. Angesehene Business Schools sind Kaderschmieden. Wer den MBA in Harvard, am Insead oder an der London Business School schafft, hat attraktive Job-Chancen. «Es steigert den Marktwert», bestätigt Barbara Menet, Rekru-tierungs-Verantwortliche bei Andersen Consulting Schweiz.

Der Markt boomt. Weltweit gibt es 1500 MBA-Programme. Über 1000 sind es allein in den USA, 300 in Europa. «Das Angebot ist explodiert», sagt Bruno Schläpfer, bei McKinsey Schweiz zuständig für die Rekrutierung. Kaum eine Woche vergeht, ohne dass ein neuer MBA-Standort auf der Bildungslandkarte auftaucht. Längst nicht alle Schulen haben das Gütezeichen einer internationalen Akkreditierung erworben. «Es ist ein wilder Markt», warnt Marianne Tremp von der Schweizer Zentralstelle für Hochschulwesen. «Man muss sich die Angebote genau anschauen.»

Das Problem: Der MBA-Titel ist nicht geschützt. 200 Absolventen pro Jahr erwerben in der Schweiz den begehrten Titel. Tendenz steigend. Für die 45 Studienplätze des MBA-Programms an der Universität Sankt Gallen (HSG) melden sich jeweils 170 Interessenten. Beim Executive MBA der Uni Bern hat sich die Zahl der Bewerber in den letzten fünf Jahren vervierfacht.

Der hohe Nimbus des MBA sorgt für den Karriere-Kick. Jana Caniga, Ex-Redaktionsleiterin und Moderatorin bei der TV-Nachrichtensendung «10 vor 10», stellte nach dem MBA die beruflichen Weichen neu. «Ich wollte mich öffnen und weiterentwickeln», sagt sie. Heute leitet sie die Direktion Kultur und Soziales beim Migros-Genossenschafts-Bund und managt ein Budget von 20 Millionen Franken.

Der MBA wird in vielen Branchen inzwischen höher eingestuft als der Doktorhut. Vor allem bei Computer-Firmen und Dienstleistungs-Unternehmen liegt die Management-Ausbildung hoch im Kurs. Das an Business Schools vermittelte Know-how ist aktueller und praxisnaher als akademische Meriten.

Diese Bildungsrendite schöpfen die Hochschulen ab. Allein an der Universität Sankt Gallen (HSG) gibt es vier Nachdiplomstudien auf der Stufe eines MBA. Der Executive MBA HSG kostet 48 000 Franken. Für den MBA, den die Uni Bern zusammen mit der US-Universität Rochester anbietet, zahlt man 78 000 Franken.

Der MBA hat seinen Ursprung in den USA. Das klassische US-Programm ist ein zweijähriges Vollzeitstudium. In Europa wird die Ausbildung meist berufsbegleitend angeboten. «Es ist eine Allround-Ausbildung», sagt Regula Weyermann, Leiterin Corporate Communications bei Kuoni und MBA-Absolventin an der HSG. «Weniger geeignet für Leute, die ein bestimmtes Thema vertiefen wollen.»

Ein gutes MBA-Programm bietet, was Unternehmen suchen: eine praxisorien-tierte General-Management-Ausbildung und internationale Erfahrung. Studenten und Dozenten kommen aus aller Welt, Unterrichtssprache ist Englisch, gelehrt wird internationales Business.

Hauptabnehmer der MBA-Absolventen sind international agierende Konzerne, Consulting-Firmen und Investment-Banken. An den amerikanischen und europäischen Elite-Unis machen sie Jagd auf Talente. Das US-Einstellungs-Prozedere ist mit hiesigen Massstäben kaum mehr zu messen. Die MBA-Cracks in Harvard, Stanford oder Kellogg werden umworben und umsorgt – «gepampert» heisst es im Insider-Slang. Bezahlte Wochenenden, gesponserte Reisen ins Ausland und Cocktail-Partys gehören in den USA zum Standard-Repertoire. «Did you get your shrimp today?», lautet die Begrüssungsfloskel auf dem Campus.

Vor allem Consulting-Firmen schrauben mit ihren «Events» zur Köderung von MBA-Absolventen die Erwartungen nach oben. Ihr Bedarf an Nachwuchskräften übersteigt den Output der Top-Schulen bei weitem. 350 Kandidaten pro Jahr braucht allein McKinsey. Entsprechend lukrativ sind die Angebote. Als Einstiegssalär kassiert ein MBA-Absolvent von Harvard durchschnittlich 170 000 Franken. Hinzu kommt ein Bonus bei Vertragsabschluss, der 40 000 Franken bringt. Auch in der Schweiz zahlt sich der Titel aus. «10 bis 20 Prozent mehr Lohn», schätzt Matthias Mölleney, Personalchef der Swissair.

Das Heer der MBA-Absolventen stellen Ingenieure, Naturwissenschaftler und Juristen – gut ausgebildete Leute ohne betriebswirtschaftliches Know-how. In den Business Schools pauken sie Marketing, Strategie und Finanzen, trimmen sich fit für die Management-Karriere. Neuerdings liegen selbst Geisteswissenschaftler und Mediziner mit MBA im Trend. Eine davon ist Gabriela Kieser. Die Ärztin und Fitness-Unternehmerin machte den MBA an der Uni Bern/Rochester. «Ich wollte mir Management-Know-how aneignen», sagt die 40-jährige Zürcherin.

Wegen der längeren akademischen Grundausbildung sind die MBA-Studenten in Europa durchschnittlich älter als in den USA. In der Regel sind die hiesigen MBA über 30 Jahre alt. Das heisst: Die Karriere ist zu weit fortgeschritten, um sich aus dem Berufsleben auszuklinken. Die meisten machen deshalb ein berufsbegleitendes Programm, den so genannten Executive MBA. Der stösst auch bei den Firmen auf Gegenliebe. Denn die Mitarbeiter bleiben trotz Ausbildung verfügbar. Dafür greifen die Unternehmen tief in die Kasse – und sichern sich damit Nachwuchskräfte. «Wir übernehmen die Studienkosten, wenn die Ausbildung Sinn macht», erklärt Ralph Obrecht, Leiter Personal in Ausbildung bei der Credit Suisse. Für einen berufsbeglei-tenden MBA blättert die Bank bis zu 80 000 Franken hin. Das Investment zahlt sich aus. Gut ausgebildete High Potentials werden in Zukunft entscheidend für den Wettbewerbsvorteil der Unternehmen sein, sagen McKinsey-Berater. Es drohe ein «War of Talents» – ein Krieg um Talente.

Diese begehrten Leute haben neben dem Hochschul-Studium eine Zusatzqualifikation wie den MBA. Sie sind geistig und geografisch flexibel, karriere-orientiert, zielstrebig und geschult in Teamarbeit. Und sie haben internationale Erfahrung – in globalisierten Märkten ein wertvoller Aktivposten.

«Für eine Management-Position braucht es kein fünfjähriges Betriebswirtschafts-Studium», meint Martin Koehler, Partner und Leiter Recruiting Europa bei der Boston Consulting Group. Heute sind Naturwissenschaftler und Ingenieure mit einer massgeschneiderten Management-Weiterbildung gesucht. Die Bedeutung des weltweiten Gütesiegels MBA wird damit zunehmen. Koehler: «Der Bedarf nach diesen Leuten steigt.»

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