Fussball-Verbandspräsident Marcel Mathier – Raffiniertes Spiel

Fussball-Verbandspräsident

Fussball-Verbandspräsident Marcel Mathier hat Nationalcoach Gilbert Gress gezielt ins Abseits laufen lassen.

 

Manchmal verschlägts selbst dem findigsten Conférencier die Sprache. Marcel Mathier, Anwalt, Notar und im Nebenamt Zentralpräsident des Schweizer Fussballverbandes, gibt sich seit der Trennung von Nationalcoach Gilbert Gress zugeknöpft wie selten. Es seien alle Fakten bekannt: «Wir haben ihm eine Offerte gemacht. Diese Offerte hat er nicht angenommen, weil seine finanziellen Ansprüche höher waren. Und deshalb suchen wir jetzt einen neuen Trainer.» Damit sei das Thema erledigt. Gress selbst ist freilich ganz anderer Meinung.

 

Der Elsässer Fussball-Lehrer, dessen Vertrag mit dem SFV erst im Sommer ausläuft, sieht sich als Opfer einer gezielten Polemik. Es sei kein Zufall, dass sein Wunsch nach einer Lohnerhöhung publik geworden ist. «Jemand vom Verband hat Informationen bewusst weitergeleitet», behauptete er in der Zürcher Zeitung «20 Minuten». Und: «Die Harmonie zwischen mir und gewissen Vertretern aus dem Verband hat nie gestimmt.»

 

Massive Vorwürfe, auf die Jurist Mathier auch nicht eingeht. Aus seinem Munde werde man nichts Negatives über Gress hören, die Zusammenarbeit sei immer sehr harmonisch gewesen, sagt der 63-jährige Walliser, und man würde ihm glauben, wäre er im «SonntagsBlick» zwei Tage davor nicht ganz anders zitiert worden: «Der Umgang mit Gress war nie einfach», hiess es dort. Und: «Dass er ausgerechnet die wichtigsten Medien gegen sich aufgebracht hat, ist mir unerklärlich. Als Notar achte ich ja auch darauf, dass der Gerichtspräsident nicht mein grösster Feind ist. Sonst habe ich meinen Job schlecht gemacht.»

 

Das kann Mathier niemand nachsagen. Er hat schnell gelernt, dass man sich als Funktionär in Verbandshierarchien am besten hocharbeitet, wenn man stets darauf achtet, niemandem auf die Füsse zu trampeln. Die schwerste Stunde seiner siebenjährigen Amtszeit sei es gewesen, sagt der ehemalige Drittliga-Kicker, als er seinen «lieben Freund» Sepp Blatter bei der Fifa-Wahl nicht öffentlich unterstützen konnte, weil er seine Stimme dem Gegenkandidaten Johansson versprochen hatte. Für wen Mathier tatsächlich gestimmt hat, weiss bis heute niemand. Es hat ihn allerdings auch keiner gefragt, warum er anschliessend vom Vize-Präsidenten zum Präsidenten der Fifa-Disziplinarkommission aufgestiegen ist.

 

Mit dem Abgang von Gress glaubte Mathier einmal mehr einen Coup gelandet zu haben. Er habe die richtige Taktik gefunden, den Elsässer loszuwerden, bemerkte der «Blick». Gress habe nie besonders hoch in Mathiers Gunst gestanden. Wer konnte ahnen, dass der sich dermassen heftig dagegen wehren würde, «nach 18 Jahren Trainertätigkeit in der Schweiz von Mathier als geldgeil hingestellt zu werden – ich lasse mich doch nicht so zur Sau machen».

 

Der scheidende Nationaltrainer hofft auf ein konstruktives Gespräch im Januar. Ein solches wäre für ihn in den letzten Wochen von zentraler Bedeutung gewesen: «Doch nie hatte Mathier Zeit.» Der bestreitet auch dies und sagt, Gress habe stets die Gewissheit gehabt, dass er voll und ganz hinter ihm stehe. Fragt sich, warum er dies zuletzt nie in der Öffentlichkeit kundtat. Nachdem Gress trotz verpasster EM-Qualifikation seine Bereitschaft zu einer weiteren Zusammenarbeit signalisiert hatte, liess Mathier ihn zappeln. Angeblich um seine eigene Verhandlungsposition nicht zu schwächen.

 

Doch da war die interne Demontage offenbar längst im Gang. Gress hatte gemäss Aussage eines Verbandsangestellten in den entscheidenden Gremien schon länger wenig, zuletzt kaum mehr Rückhalt und deshalb mit der Trennung gerechnet. Wahrscheinlich erhoffte er sich mit seiner übertriebenen Lohnforderung ein Zeichen. Schliesslich hatte Mathier vor einem Jahr im «SonntagsBlick» noch posaunt: Sein Prinzip diktiere ihm, dass man Trainer nicht ständig wechseln dürfe. Es gehe schliesslich um den Ruf des SFV als seriöser Verband.

 

Vor allem aber seinen eigenen, den er gerne selber poliert. So antwortete er etwa im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» einst auf die Bemerkung, Gress verstehe sich offenbar gut mit Sforza: «Haben Sie den Eindruck, da habe der Präsident nicht auch mitgeholfen?» Im Februar wiederum, als er für zwei Jahre als Präsident bestätigt wurde, kam er nicht umhin zu kokettieren: «Es brauchte Überzeugungsarbeit von allen Seiten, damit ich mich nochmals zur Wahl stellte.»

 

Da tut es weh, dass einer wie Gress öffentlich verkündet: «Wenn es Mathier bei einem Essen mit der Nationalmannschaft stört, dass der Koch des Teams am gleichen Tisch sitzt, nur weil der kein Anwalt ist, sagt das alles über ihn aus.» Vielleicht findet ihn ja der Neue sympathischer.

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