Fesselspiele: Die Berichte über Sex-Versuche der Nasa

NASA

Die Berichte über Sex-Versuche der Nasa in der Schwerelosigkeit entbehren jeder Grundlage.

Die Missionarsstellung», weiss Pierre Kohler zu berichten, «ist im Weltraum nicht praktikabel!» Die fehlende Schwerkraft, erläutert der französische Astronom und Wissenschaftsautor in seinem letzte Woche in Paris vorgestellten Buch «Die letzte Mission», mache den kosmischen Koitus zum zweifelhaften Vergnügen. Zu bewältigen sei er nur mit allerlei technischen Hilfsmitteln, die das Entschweben verhindern.

Das sei das Ergebnis geheim gehaltener Versuche, die die US-Weltraumbehörde Nasa bei vier Shuttle-Missionen 1996 durchgeführt hätte, schreibt Kohler. Insgesamt zehn verschiedene Stellungen mit unterschiedlichen Hilfsmitteln – Haltegurten und aufblasbaren Tunnels – hätten Astronauten und Astronautinnen getestet. Natürlich hätten sie über ihre Erfahrungen Bericht erstattet.

Kohlers Enthüllungen wurden umgehend von Nachrichten-Agenturen – vorneweg die französische AFP – und Zeitungen in aller Welt verbreitet. Ungeprüft: Allzu überzeugend schienen die detailreichen Schilderungen Kohlers, der sich auf persönliche Aussagen von Astronauten und einen offiziellen Nasa-Bericht berief. Diesen Nasa-Report mit der Nummer 14-307-1792 gibt es, allerdings handelt es sich dabei um eine recht gut gemachte Fälschung, die seit über fünf Jahren im Internet kursiert.

Entsprechend gereizt reagierte die Nasa: «Es hat kein derartiges Experiment gegeben», erklärte Nasa-Sprecher Brian Welch, «uns frustriert, dass diese Agenturen offenbar keinen Gedanken daran verschwendet haben, bei der Nasa nachzufragen, um die Geschichte zu überprüfen!» Welch forderte AFP auf, die Meldung zurückzuziehen.

Doch der Geist ist aus der Flasche. Manche Zeitung setzte noch einen drauf und reicherte die Story mit weiteren Zutaten aus der Internet-Gerüchteküche an. Der britische «Daily Star» machte den «Yankees» streitig, als erste Sex im All praktiziert zu haben: Diese Ehre gebühre vielmehr der Russin Swetlana Sawitzkaja, die 1982 mit vier Kollegen einen Monat lang an Bord der Station Saljut-7 die Erde umkreiste.

Dann war da noch die Britin Helen Sharman, die 1991 an Bord der Mir «fantastische Erfahrungen» mit ihren russischen Kollegen gemacht habe. Es gäbe sogar ein Video, das Sharman im pinkfarbenen Nachthemd durch die Station schwebend zeige. Angeblich.

Allerdings bestreitet auch die Nasa nicht, dass es sexuelle Handlungen im All gegeben haben könnte – doch das sei eine Privatangelegenheit der Raumfahrer. Gelegenheiten gab es jedenfalls genügend, seit gemischte Crews an Bord amerikanischer Spaceshuttles und russischer Raumstationen die Erde umkreisen.

Die im gefälschten Nasa-Bericht beschriebenen Experimente während der Mission STS-75 allerdings gab es mit grosser Sicherheit nicht: Zur Besatzung gehörte damals der Schweizer Astronaut Claude Nicollier und sechs andere Männer – aber keine Frau. Ein Umstand, der einem Experten wie Pierre Kohler hätte auffallen müssen.

Kohlers Buch jedenfalls, das nur die Geschichte der angejahrten Raumstation Mir erzählt, ist durch das Weltraumsex-Kapitel plötzlich in aller Munde. Das Aufwärmen der alten Internet-Ente hat sich für ihn auf jeden Fall gelohnt.

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