Experimentier-Lust

Während andere Schweizer Sender ihre Erotik-Sendungen streichen, setzt TV3 unverdrossen auf «Lust und Liebe».

Sie klimpert mit den Wimpern, tätschelt ihren Gästen auch mal gerne das Knie – und ist ein als Frau verkleideter Mann im jugendlichen Alter von 23 Jahren. Zu sehen ist die schöne Miss Diva erstmals am 23. Januar in der neu gestalteten Erotik-Show «Lust und Liebe» auf TV3. Sie tritt in die Fussstapfen der bisherigen Moderatorin Marlies Santiago, die zurück in den Journalismus geht. «Miss Diva» setzt einen scharfen Kontrast zur bisherigen Tonalität der Sendung. Sie ist aber nur ein erster Versuch im neuen Konzept. Dieses setzt künftig auf wechselnde Gastmoderatoren, ein bislang einmaliges Konzept in der Welt der Erotik-Shows.

Die anderen Schweizer Sender nehmen ihre Sexsendungen aus dem Programm, während das TV aus dem Hause TA-Media mit «Lust und Liebe» fröhlich experimentiert. Mit neuen Gesichtern und variablem Studiodekor soll die Sendung einen zusätzlichen Kick erhalten.

«Sex ist ein wahnsinnig breites Gebiet, unterschiedliche Präsentatoren können besser auf die Vielfalt eingehen», sagt Daniela Würgler, Redaktionsleiterin von «Lust und Liebe». Wie oft die neuen Gesprächsleiter jeweils zum Einsatz kommen werden, ist noch völlig offen. Eines ist aber klar: «Wir stellen nicht auf eine Transvestiten- oder Schwulensendung um», sagt Würgler. «Weiterhin wird die ganze Schweizer Erotikwelt unsere Themen liefern.» Das bisherige Konzept sei erfolgreich. Vor allem der grosse Anteil Frauen bei den Zuschauern zeige, dass man auf dem richtigen Weg sei.

TeleBärn streicht derweil «Lust und Laune» Ende März 2000 ersatzlos aus dem Menü. Die von der ehemaligen Porno-Darstellerin Laetitia präsentierte Show passe nicht mehr in das auf News, Sport und Events fokussierte Programm, sagt Sendeleiter Marc Friedli. «Die Sexsendung brachte uns in der Startphase die nötigen Zuschauer und die Aufmerksamkeit der Presse. Das haben wir jetzt aber nicht mehr nötig», meint Friedli. Zudem könne TeleBärn mit den jährlich eingesparten 300 000 Franken im Bereich News und Sport viel mehr herausholen.

Bei SF DRS fehlt es weniger an der Finanzierung als an der Begeisterung für eine Sexsendung überhaupt. Bereits seit 1997 liegt im Leutschenbach ein fixfertiges Konzept für ein Männer-Magazin in der Schublade. «Die Abende sind gefüllt. Wir sehen im Moment nirgends einen Platz in unserem Programm, wo eine Erotik-Sendung hineinpassen könnte», sagt Pia Schellenberg, Redaktionsleiterin in der Abteilung Unterhaltung.

Schubladisiert wurde die Lust auch bei Star TV. Nach der letzten Ausgabe von «E-rotic» mit Jeannette Meier Ende Februar dieses Jahres versuchte der Sender zwar eine Weiterführung mit einem neuen Gesicht. Die geplante Fortsetzung wurde aber bereits nach drei Ausstrahlungen aus dem Programm genommen. Grund: Die neue Moderation erfüllte die Erwartungen nicht. Star-TV-Chef Paul Grau: «Wir haben schnell gemerkt, dass eine Sexsendung mit den Qualitäten der Moderatorin steht und fällt.»Diese Erfahrung machten auch die deutschen Sender.

«Eine treue Zuschauergemeinde lässt sich genauso über die Themen und nicht nur über die Köpfe der Moderatoren erreichen. Wir setzen auf Qualität der Beiträge und profilieren unseren eigenen, auf die Schweiz fokussierten Ansatz», sagt Daniela Würgler von TV3. Sie ist überzeugt, dass dies möglich ist. Als Beispiel nennt sie einen Beitrag zum Thema Sado-Maso-Sex, an dem die Redaktion gerade arbeite. Würgler: «Sado-Maso findet nicht nur in der Folterkammer, sondern ebenfalls im Alltag der Betroffenen statt. Das haben die anderen Sender bisher noch nicht gezeigt.»

Neben solchen Aspekten sollen bei «Lust und Liebe» auf TV3 künftig vor allem auch Witz und Spass einen festen Stellenwert erhalten. Den Startschuss in diese Richtung macht im Januar ein Beitrag zum Thema «Opas Pornokiste» mit einem Rückblick in die Zeiten des Stummfilms. Billig ist das obendrein.

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