Ein Riese auf der Lauer

HSBC

Ihre schwache Börsen-Performance macht die UBS verwundbar. Als möglicher Käufer steht der BankKonzern HSBC an erster Stelle.

Wenn Sir John Bond, 58, am kommenden Montag in London die Jahresergebnisse seiner Firma bekannt gibt, ist dem silberhaarigen Briten die Aufmerksamkeit der Schweizer Bankenwelt gewiss. Sir John repräsentiert als Verwaltungsratsvorsitzender einen global agierenden Konzern mit 140 000 Mitarbeitern in mehr als 5000 Büros in 82 Ländern. Vor allem aber: Seine Hong Kong & Shanghai Banking Corporation (HSBC) wird seit Wochen als möglicher Käufer der UBS, des Flaggschiffs der Schweizer Finanzwelt, gehandelt.

HSBC ist hinter Citigroup nicht nur die zweitgrösste Bank der Welt, sie gehört auch zu den erfolgreichsten. Mit rund acht Milliarden Dollar Gewinn vor Steuern rechnen die Analysten für 1999, die Dividende dürfte um rund zehn Prozent steigen, die Rendite lag schon im ersten Halbjahr bei 18 Prozent. Kurzum: Der Konzern strotzt – im Gegensatz zur UBS – vor Kraft.

Signalisiert die mittägliche Bilanzpressekonferenz womöglich auch High Noon für die UBS? HSBC-Chef Keith Whitson spricht seit Monaten davon, seine Bank sei «weiterhin weltweit auf der Suche nach Zukäufen». Und gilt nicht gerade Mitteleuropa als eher unterrepräsentiert auf der Weltkarte der global operierenden Bank? Der Mann, der wie kein anderer HSBC in der Schweiz bekannt gemacht hat, bleibt skeptisch. Martin Ebner, 55, Financier und Chef der BZ-Bank, singt seit Jahren Lobeshymnen auf HSBC: Das M

anagement habe «gute Strategien» und sei «in sehr guter Verfassung».
Ein gutes Angebot aus London für sein milliardenschweres UBS-Aktienpaket würde Ebner «wahrscheinlich schon» annehmen, sieht aber praktische Probleme: Eine Bank wie die UBS in einen ausländischen Konzern zu integrieren sei keine einfache Sache. Wenn aber irgendeine Bank Erfahrung damit hat, mit unterschiedlichen Kulturen umzugehen, dann die HSBC. Das 1865 durch den Schotten Thomas Sutherland in Hongkong gegründete Handelshaus war «von Anfang an international und multikulturell», sagt Verwaltungsrats-Chef Bond.

Das Geschäft mit Opium, Seide und Tee war bald so lukrativ, dass Niederlassungen in London, Lyon und Hamburg hinzukamen. Noch heute rühmt man sich bei der HSBC, man sei die erste Bank gewesen in Ländern wie Thailand, Japan und Brunei. Allen Kriegen, Revolutionen und Naturkatastrophen zum Trotz – das sino-britische Bankhaus wuchs, immer wieder vor allem durch den Zukauf kleinerer Institute.

Der Verlagerung der Firmenzentrale nach London im Zweiten Weltkrieg folgten erfolgreiche Expansionen auf den US-Markt, nach Kanada und Lateinamerika. Die Zürcher Privatbank Guyerzeller gehört längst ebenso zur HSBC-Familie wie das Frankfurter Institut Trinkaus & Burkhardt. Seit vergangenem Jahr ist die Zugehörigkeit schon am Namen ablesbar: Nach einer mehr als 80 Millionen Dollar teuren Image-Kampagne tragen jetzt alle globalen Töchter, mehr als 100 an der Zahl, die Buchstaben im Namen und das rotweisse Sechseck als Logo.

Um beide weltweit bekannt zu machen, engagiert sich HSBC auch als Sponsor: Wenn Eddie Irvine seinen Jaguar R 1 über die Asphaltpisten der Formel eins jagt, sind die vier Grossbuchstaben unübersehbar. Aller Corporate Identity zum Trotz wurde aber ein wichtiges Organisationsprinzip bei-behalten: Weiterhin haben die Manager der Banken vor Ort grösseren Handlungsspielraum als in vergleichbaren Institutionen. HSBC-Chef Bond begründet dies mit der traditionellen Stärke seiner Bank, vor Ort stabile Partnerschaften mit grossen Firmenkunden einzugehen.

Doch das genügt nicht zum Erfolg des Bankriesen, der Anfang Woche von den Investoren mit 156 Milliarden Franken bewertet wurde. «Wir sind international und konservativ, unabhängig und sparsam», brüstet sich Bond. Tatsächlich war es der legendären Vorsicht der sino-britischen Banker zu verdanken, dass ihr Haus die Asienkrise von 1997 und 1998 bemerkenswert schnell verdaut hat.

Vergangenes Jahr war immerhin so viel Kleingeld, nämlich zehn Milliarden Dollar, in der Kriegskasse, dass der Konzern die kleine, feine Republic Bank sowie Safra Republic Holdings (SRH) des Privatbankiers Edmond Safra erwerben konnte. Auf einen Schlag verdoppelte sich damit die Summe der Werte auf rund 180 Milliarden Franken, die die Manager der Abteilung Private Banking verwalten. Jeder der meist älteren rund 30 000 Safra-Kunden wird auf durchschnittlich 1,9 Millionen Dollar Vermögen geschätzt. Bankier Safra hatte helfen wollen, das Vermögen der Bank und der Kundschaft zu mehren, doch er starb Anfang Dezember bei einem Brandanschlag auf sein Appartement in Monaco. Entsprechend schwieriger und langwieriger wird die Integration seiner Bankgeschäfte in den Gesamtkonzern.

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