Crash im Computer

Crash im Computer

Autofirmen verlassen sich bei Sicherheits-Tests immer mehr auf Computer. Das kostet nur zehn Prozent eines realen Crash-Tests.

Ala Tabiei ist ein netter Mensch. Der Forscher von der Universität Cincinnati könnte keiner Fliege etwas zu Leide tun. Dem Fahrer des grauen Pick-ups vor ihm allerdings schon: Ohne Mitleid verfolgt der Wissenschaftler, wie das Fahrzeug in die Leitplanke rast und der Kopf des Mannes einem Pingpong-Ball gleich auf die Seitenscheibe prallt. Einmal, zweimal. Das Ergebnis ist klar: dem Fahrer geht es ziemlich schlecht.

Zum Glück ist das Drama rein virtuell. Es spielt sich regelmässig auf dem Bildschirm eines Cray T94 ab, des Supercomputers am Rechenzentrum von Ohio. Hier simuliert Tabiei mit viel Rechen-leistung, wozu bisher langwierige Crash-Tests nötig waren: den Aufprall verschiedener Pkws auf die gängigen US-Leitplanken vom Typ G4 (Beispiele unter www.ase.uc.edu/~amcgowan/). Eine virtuelle Kamera im Innenraum zeichnet das Schicksal des Fahrers auf. Anschliessend folgt ein medizinischer Kurzrapport. Das Programm schätzt die Kopf- und Brustverletzungen ab, die der amerikanische Durchschnittsmann bei dem Unfall zu erwarten hätte. «Das alles auf herkömmliche Art zu untersuchen wäre gar nicht bezahlbar», sagt Tabiei.

Seine Forschung hat einen ernsten Hintergrund. 14 000 Amerikaner sterben jährlich im Strassenverkehr, ein Viertel, nachdem sich ihr Auto überschlagen hat. Die Simulationen lassen eine Ursache vermuten: Besonders die beliebten Geländewagen und Pick-ups mit hohem Schwerpunkt sind durch die Strassenbegrenzung kaum zu stoppen. Auf dem Bildschirm verhaken sie sich in den niedrigen Planken und setzen regelmässig zum Überschlag an. Auch Sportwagen sind gefährdet. Weil man den Amerikanern kaum vorschreiben kann, welche Autos sie kaufen sollen, will die Bundesverkehrsbehörde FWHA mit Hilfe der Simulationen künftig die Strassenbarrieren verbessern. «Tabieis Arbeit wird die Strassen sicherer machen», sagt Marty Hargrave, ein Ingenieur der FWHA.

Auch Autofirmen verlassen sich beim Thema Sicherheit immer mehr auf Computer. «Leitplanken sind hier zu Lande kaum ein Problem. Aber wir spielen praktisch jeden möglichen Aufprall mit Simulationen durch», sagt Friedbert Holz, Pressesprecher von BMW in München. «Das spart besonders in der Anfangsphase Zeit und Geld, wenn verschiedene Konzepte verglichen werden.» Der Leiter des Fachbereichs Kraftfahrzeuge an der Technischen Universität Berlin, Hermann Appel, schätzt, dass die Autobauer so mittlerweile rund 90 Prozent der Crash-Test-Kosten einsparen.

Reale Autos sind heute noch bei den gesetzlich vorgeschriebenen Aufpralltests Pflicht. Besonders das Verhalten von Schweissnähten und Holmen der Autos gilt unter Experten als nicht zuverlässig berechenbar. «Zur Absicherung sind reale Aufpralltests auch in Zukunft nicht zu ersetzen», sagt Holz.

Auch bei den Leitplanken für Schweizer Strassen wollen sich die Prüfer lieber nicht auf eine Computer-Simulation verlassen, sondern verwenden noch die alte, aber teurere Methode: Auf dem Testgelände der Ingenieurschule Biel in Vaf-feline werden alte Autos, Busse und Lastwagen auf einer Schiene beschleunigt und mit bis zu 120 Stundenkilometern an die Test-Planken gefahren. Eine Kiesgrube fängt die umherfliegenden Trümmer auf. Haben die Leitplanken die Tests bestanden, so entsprechen sie zugleich der EU-Norm und dürfen in der Schweiz verbaut werden.

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